Landeskirchen vor der Entscheidung über Nordkirche
Schwerin/Kiel (epd). Die drei Synoden der evangelischen Landeskirchen in Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Schleswig-Holstein sollen nach bisheriger Planung am Sonnabend über den zuletzt heftig umstrittenen Fusionsvertrag zu einer Nordkirche abstimmen. Dem nordelbischen Kirchenparlament liegt allerdings auch ein Antrag auf Verschiebung der Entscheidung auf 2012 oder 2013 vor, über den wahrscheinlich bereits am Freitag abgestimmt werden soll.
Auf ihrer am Donnerstagabend beginnenden Frühjahrstagung in Plau am See wird sich die mecklenburgische Synode zur Neuordnung der Kirchenkreise befassen. Vorgesehen ist, ihre Zahl von fünf auf vier zu verringern. Außerdem stehen die Berichte von Landesbischof Andreas von Maltzahn, vom Oberkirchenrat, vom Diakonischen Werk sowie ein Bericht über die Gefängnisseelsorge auf dem Programm. Die pommersche Synode befasst sich ab Freitag in Züssow bei Greifswald außer mit den Fusionsplänen für eine Nordkirche auch mit dem "Jahr zur Taufe" sowie dem Gedenken an die "Barmer Theologische Erklärung" von 1934.
Die Nordkirche soll Anfang 2012 entstehen und hätte rund 2,4 Millionen Mitglieder. Als umstritten gelten insbesondere die vorgesehene Trennung der Standorte für das Landeskirchenamt (Kiel) und für den leitenden Landesbischof (Schwerin) sowie das Tempo des Fusionsprozesses. Damit der Zusammenschluss zustande kommen kann, ist jeweils ein Zweidrittelmehrheit in den Synoden erforderlich. Während Beobachter damit rechnen, dass diese Mehrheit in Pommern deutlich erreicht wird, ist der Ausgang der Abstimmung in Mecklenburg und Nordelbien derzeit nicht so klar einzuschätzen.
Zu den maßgeblichen Befürwortern einer Nordkirche zählt der Vorsitzende der nordelbischen Kirchenleitung, der Schleswiger Bischof Gerhard Ulrich. Er misst der Abstimmung über die "Nordkirche" eine historische Bedeutung zu. "Wir haben mit diesem ausgewogenen Kompromiss 20 Jahre nach dem Fall der Mauer die einmalige Chance, die Stimme des Protestantismus im Norden zu kräftigen", warb er jüngst für ein positives Synodenvotum zum Fusionsvertrag.
Außer den Anträgen auf Verschiebung der Entscheidung über den Fusionsvertrag liegen der nordelbischen Synode einige Änderungsanträge vor: So sprechen sich die Kirchenkreise Altona, Blankenese, Niendorf und Pinneberg dafür aus, den Sitz von Landesbischof beziehungsweise Landesbischöfin in Hamburg statt in Schwerin anzusiedeln und den Sitz des Bischofsamtes für den Sprengel Hamburg und Lübeck nach Lübeck zu verlegen statt ihn in Kiel zu belassen. Synodale aus den Kirchenkreisen Lübeck und Herzogtum Lauenburg werden wiederum unter anderem den Antrag stellen, den Sitz des Landesbischofs am Sitz des Kirchenamtes einzurichten.
Zur mecklenburgischen Landeskirche gehörten Ende 2008 rund 201.000 Christen, das sind etwa 1,9 Prozent weniger gegenüber dem Vorjahr. Die pommersche Kirche hatte Ende 2008 rund 98.300 Christen. In Nordelbien zählte die evangelische Kirche zum selben Zeitpunkt rund 2,1 Millionen Mitglieder. (25.3.2009)



