Mitarbeiter bekräftigen Forderung nach Tarifverträgen

 

Schwerin/Greifswald (epd). Arbeitnehmervertreter aus der mecklenburgischen und pommerschen Landeskirche haben ihre Kirchenleitungen erneut aufgefordert, bei einem Zusammenschluss zu einer "Nordkirche" der Einführung von Tarifverträgen zuzustimmen. Dieser sogenannte "zweite Weg" sei die einzige Möglichkeit, dass sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichberechtigt begegneten, sagte der mecklenburgische Mitarbeitervertreter Volker Schulenburg am Montag in Schwerin auf epd- Anfrage. Es sei "Fakt", dass nur dies der richtige Weg ist", bestätigte auch Thomas Franke von der Mitarbeitervertretung der pommerschen Kirche in Greifswald.

 

Beide unterstützen damit eine Forderung des Verbands kirchlicher Mitarbeiter (VkM) Nordelbien. Dieser hatte kürzlich in einem Appell die Übernahme des dort bereits praktizierten Weges auch für Mecklenburg und Pommern gefordert, sollte es zum geplanten Zusammenschluss aller drei Landeskirchen zu einer "Nordkirche" kommen.

 

Der Schweriner Oberkirchenratspräsident Andreas Flade hatte indes in einer am Montag verbreiteten Erklärung kritisiert, dass als Unterzeichner des Appells die "Arbeitsrechtliche Kommission der Pommerschen Evangelischen Kirche" und die "Arbeitsrechtliche Kommission der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs" angegeben worden seien. Während der mecklenburgischen Kommission der Text des Appells gar nicht vorgelegen habe, existiere in Pommern gar kein derartiges Gremium, machte Flade deutlich. Pommern beteilige sich vielmehr durch Vertreter an der Arbeitsrechtlichen Kommission der Union Evangelischer Kirchen (UEK).

 

"Es muss darauf hingewiesen werden, dass diese sogenannte ´Arbeitsgemeinschaft Nordkirche auf Arbeitnehmerseite´ in unlauterer Weise den Eindruck zu erwecken versucht, für breite Mitarbeiterkreise zu sprechen", heißt es wörtlich in Flades Erklärung. Dazu sei sie "nicht befugt" gewesen.

 

Im kirchlichen Bereich gibt es meist weder Betriebs- noch Personalräte. Die Interessen der Beschäftigten werden stattdessen von Mitarbeitervertretungen wahrgenommen. Dort, wo keine Tarifverträge zwischen Arbeitgeberseite und Gewerkschaften abgeschlossen werden, handeln paritätisch besetzte Arbeitsrechtliche Kommissionen entsprechende Regelungen aus.

 

Auf Nachfrage bestätigte der Vorsitzende des Landesverbandes VkM Nordelbien, Klaus Dirk Wildoer, dass Oberkirchenrat Flade "formal recht" habe. "Wir waren etwas unsauber bei der Nennung der Unterzeichner". Es seien in der Tat nicht die Arbeitsrechtlichen Kommissionen als Ganzes, sondern lediglich die Mitarbeiter-Vertreter gewesen, die sich dem Aufruf angeschlossen hätten. Auch habe der Appell der mecklenburgischen Kommission nicht vorgelegen.

 

Auf die weiteren Vorwürfe Flades reagierte Wildoer jedoch mit Unverständnis. "Wir vertreten die Interessen von über 155.000 Arbeitnehmern - auch von denen in Mecklenburg und Pommern." Er sprach von einer "vorgeschobenen Angst" in Schwerin und Greifswald vor Tarifverträgen, die auch durch den schlechten Ruf von Gewerkschaften zu DDR-Zeiten nicht ausreichend begründet sei. "Das ist 20 Jahre her". Kirche im Osten sei "keine elitäre Schutzhülle" mehr, sondern "Kirche in der Arbeitswelt", die sich den Herausforderungen der Gewerkschaften stellen müsse. (22.12.2008)

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