Bischof H.-J. Abromeit (Greifswald), Pressesprecher N. Radzanowski (Kiel). Bischöfin B. Wartenberg-Potter (Lübeck, Landesbischof A .v. Maltzahn (Schwerin). Foto: Neumann

17.9.2008: Ergebnis der Sondierungespräche

 

Lübeck (ran). Groß war das Medieninteresse, als am 17. September zum ersten Mal Ergebnisse der Sondierungsverhandlungen zu einer Nordkirche in der Lübecker Bischofskanzlei vorgestellt wurden. Sogar ein katholischer Journalist aus Hamburg war in die alte Hansestadt Lübeck gekommen, deren Recht in Hansezeiten auch die heutige pommersche Bischofsstadt Greifswald übernommen hatte.

 

Die Lübecker Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter, der Greifswalder Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit und der gerade eingeführte mecklenburgische Landesbischof Dr. Andreas von Maltzahn stellten das Leitpapier „Auf dem Weg zu einer gemeinsamen Kirche im Norden“ erstmals vor.

 

Wartenberg-Potter betonte, daß der gemeinsame Lebenszusammenhang von Kirchen an der Ostsee wichtig sei, zudem rückten die drei Bundesländern näher zusammen und seien durch den Norddeutschen Rundfunk verbunden. Dies sind zwar nicht direkt theologische Argumente, aber es beschreibt die Lebenswirklichkeit der Menschen in diesem Gebiet. "Kirche soll in der Lebenswirklichkeit der Menschen eine Rolle spielen" – darauf komme es im Leitpapier an: „Es gibt viele Lebensumfeldbedingungen, die es nahelegen, daß wir in dieser Form im Nordosten Deuschlands einen Zusammeschluß versuchen,“ sagte Wartenberg-Potter.

 

Landesbischof von Maltzahn beschrieb die Hauptaufgabe der neuen Kirche: „Die Entscheidung durch die Synoden hängt davon ab, wie wir unsere Hauptaufgabe besser umsetzen können: daß die Menschen die frohe Botschaft verkündigt bekommen. Wenn sie das leistet, dann wird sich auch eine Mehrheit in den Synoden finden.“ Ihm gehe es vor allem um die Inhalte. Wenn diese gut seien, dann könne es relativ schnell gehen, „sonst müssen wir lange darüber diskutieren, bis die Inhalte gut sind.“

 

Der Zeitplan hatte eine wichtige Rolle gespielt und dazu sagte Bärbel Wartenberg-Potter: „Die Geschwister im Osten haben so viele Veränderungen durchgemacht, daß der Wunsch, mal angekommen zu sein, wirklich real ist. Zehn Jahre sind ein sehr großer Rahmen.“ Woraufhin Bischof Abromeit sagte: „Zehn Jahre sind maximal! Pommern hat schon Interesse, daß das Haus relativ schnell gebaut wird, aber den Innenausbau kann man dann auch geruhsamer vornehmen. Das kann dann auch in verschiedenen Geschwindigkeiten vorangehen. Der Hausbau muß aber zügig gehen, sonst werden wir die nötigen Mehrheiten nicht zusammenbekommen.“

 

Auf die Frage der Journalisten, was die Sondierungsgespräche für den in Nordelbien laufenden Reformprozeß bedeuten, sagte Bischöfin Wartenberg-Potter: „Wenn wir einen Fusionsbeschluß gefaßt haben, dann sehen wir, was das für den Reformprozeß bedeutet. Das müssen wir dann im Lichte der Beschlüsse neu besehen.“

 

Es wurde aber auch der Blick in die langfristige Zukunft gerichtet. So betonte der pommersche Bischof Hans-Jürgen Abromeit: „Wir müssen schauen, daß wir eine Gestalt von Kirche bauen, die auch langfristig auch gut aufgestellt ist.“ Zuvor berichtete er von der Geschichte der Pommerschen Kirche, die vor dem 2. Weltkrieg zwei Millionen Mitglieder hatte und heute – bedingt durch die antikirchliche Politik der DDR – nur noch 100.000 Gemeindeglieder hat. Viele Pommern seien nach Schleswig-Holstein geflüchtet und hätten von dort aus intensive und oft bis heute bestehende Gemeindepartnerschaften aufgebaut. Daher gebe es eine Menge an persönlichen Bezügen.

 

Auch der mecklenburgische Bischof von Maltzahn richtete seinen Blick in die Zukunft, denn durch den dritten Partner seien auch „Zukunftschancen zusätzlicher Art enthalten.“ Und er betonte: „Wir glauben, daß die pointierte Stimme der Kirchen in unserer Gesellschaft vonnöten ist und daß die Kraft von drei Kirchen diese Stimme stärken könnte.“

 

Ein Stichwort des Leitpapiers und der Pressekonferenz war der Begriff „Gunst der Stunde. Dazu sagte Bischof Abromeit: „Das scheint uns die Gunst der Stunde zu sein, daß wir es schaffen, eine nachhaltig belastbare Kirchenstruktur im Norden zu schaffen. Hier liegt eine besondere Chance Wir wären die erste Landeskirche, die Ost und West in einer Gestalt verbindet. Dadurch entsteht auch eine Möglichkeit, den immer noch wahrnehmbaren Zaun zwischen Ost und West in den Köpfen zu verringern.“

 

Nach den einleitenden Worten der Bischöfin und der zwei Bischöfe fragten die Journalisten nach: Wie steht es mit den Standorten, den Finanzen und dem Zeitplan...

 

Andreas von Maltzahn sagte dazu: „Wir haben noch nicht über Standortfragen gesprochen, da es wesentlichere Punkte gibt: Welche Verfassung wollen wir haben und welche Kirche wollen wir sein? Daher ist es gut, zuerst die Grundsatzfragen zu stellen und nicht über Standortentscheidungen zu reden. Wenn es einen Fusionsprozeß weiter geben soll, dann muß er von einer satten Mehrheit getragen werden.“

 

Der Greifswalder Bischof Abromeit sagte auch etwas zur Frage nach den Finanzen: „Wichtiges Ergebnis der Rechenüberlegungen ist: Es geht! Der Norden ist der jetzige Gestaltungsraum und darin kann man eine evangelische Kirche gestalten.“ Und er fügte hinzu: „Ich finde es enorm, daß es in zwei Monaten gelungen ist, sich auf die Leitsätze zu verständigen, und daß die anderen fragen auf einem guten Weg sind. Das gibt uns Hoffnungen für die Synoden.“

 

Zu Fragen nach dem Zeitplan antwortete Bärbel Wartenberg-Potter: „In den Novembersynoden wird entschieden, ob wir drei eine Fusion wollen. Die Frühjahrssynode 2008 wird dann dazu ein verbindliches Versprechen abgeben. Dann können die Gespräche für Abgleichungen und Neukonstruktionen beginnen. Dafür aber gebe es noch keinen Zeitplan.“

 

Am Ende der Pressekonferenz appellierte die Lübecker Bischöfin an die „weltliche Presse“, daß sie einen christlichen Grundgedanken bei diesen Gesprächen doch auch mitteilen sollten: Der Apostel Paulus habe bei seinen Gemeindebesuchen immer eine Kollekte für Jerusalem erbeten und sie betonte: „Daß man sich in seinen Ressourcen gegenseitig hilft, das ist ein Leitsatz für unsere Verhandlungen.“

 

Nach einer guten Stunde ging die Pressekonferenz zu Ende. Der Eindruck war, daß dort keine Traumtänzer redeten, sondern daß alle drei von guten Verhandlungsergebnissen vorsichtig berichteten, denn auf der nordelbischen Landessynode Ende September werden weitere Informationen gegeben. . Dennoch ist grundlegend, wie der Schweriner Bischof betonte: „Es sind Sondierungsgespräche.“

 

Aber Gespräche mit Aussicht!