Theologe: Nordkirche würde "evangelische Stimme in Europa stärken"
Lübeck (epd). Der geplante Zusammenschluss der nordelbischen, mecklenburgischen und pommerschen Landeskirche zu einer gemeinsamen "Nordkirche" kann nach Ansicht des Theologen Michael Beintker aus Münster "die evangelische Stimme in Europa stärken". Spätestens seit der Jahrtausendwende sei deutlich geworden, dass die evangelischen Kirchen viel enger zusammenarbeiten müssten, wenn sie auf den politischen und gesellschaftlichen Ebenen des zusammenwachsenden Europas wahrgenommen werden wollen, sagte Beintker am Sonnabend im Lübecker Dom vor Synodalen aus den drei Kirchenparlamenten. Vortrag Prof. Beintker (150 KB)
Die "Nordkirche" mit insgesamt 2,4 Millionen Kirchenmitgliedern soll zum 1. Januar 2012 gegründet werden. Endgültig entscheiden die Synoden der drei beteiligten evangelischen Landeskirchen in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern Ende März in parallelen Sitzungen über die Fusion. Der "Nordkirchen"-Begegnungstag in Lübeck sollte den Kirchenparlamentariern Gelegenheit zu Information und Meinungsaustausch bieten.
Beintker, Professor für reformierte Theologie an der Universität Münster, sagte: "Niemand kann von den Politikern in Straßburg und Brüssel erwarten, dass sie bei kirchlichen Angelegenheiten bei jeder der über 100 evangelischen Kirchen Europas einzeln nachfragen." Die Kräfte müssten so koordiniert und gebündelt werden, dass die Europäer die Kirchen der Reformation wahrnehmen und erkennen könnten.
Evangelische Landeskirchen seien überdies "Organisationsräume kirchlicher Gestaltung" und daher "etwas Pragmatisches und Praktisches", betonte Beintker. Es sei erlaubt und "mitunter sogar geboten", ihre Grenzen und Konstellationen im Interesse der Verkündigung neu zu ordnen. Niemand brauche dabei die Bekenntnisfrage zu stellen. Und die Ansiedlung von Bischofssitzen sei "für das evangelische Kirche-Sein vergleichsweise nebensächlich".
An den Lebenswelten des östlichen und westlichen Deutschlands würden manche Unterschiede deutlich. Aber ohne Diskrepanzen sei alles "nur steril und monoton". Gerade die Verschiedenheiten seien "ein nicht hoch genug zu schätzender Reichtum".
Beintker appellierte an die Synodalen, bei ihren Fusionsberatungen auch die "Wahrnehmung von außen" im Blick zu behalten. Die Diskussionen um die Nordkirche tangierten auch sämtliche Nachbarkirchen und die Kirchen in der Ökumene: "Wenn aus kirchlichen Partnerschaften eine partnerschaftliche Kirche entsteht, dann freuen sich auch die anderen - das sollten Sie einfach wissen."




