Synode beschließt Änderungen am Verfassungsentwurf
Lübeck (tk). Mit einem festlichen Gottesdienst zum Reformationstag ist am Sonntag (31. Oktober 2010) die erste Tagung der Verfassunggebenden Synode des Verbandes Evangelisch-Lutherischer Kirchen in Norddeutschland zu Ende gegangen. „Kirche entsteht und besteht nicht durch menschliches Planen und Tun zuerst, sondern allein durch Gottes Wirken“, sagte Bischof Gerhard Ulrich, Vorsitzender der Gemeinsamen Kirchenleitung, in seiner Predigt im Dom zu Lübeck. Die künftige Kirche im Norden müsse missionarisch sein, „weil sie nicht vergisst, wie wichtig Gottvertrauen für alle Menschen und für Menschlichkeit überhaupt ist“. Zugleich hoffe er auf eine Kirche „die öffentlich wirkt, weil sie etwas zu sagen hat zu Frieden und Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung, zu Freiheit und Verantwortung“.
Mit dem Gottesdienst endete die erste Tagung der Verfassunggebenden Synode. Zuvor hatten die Synodalen zentrale Änderungsanträge zum Verfassungsentwurf abgestimmt. Mit großer Mehrheit wurde in der Schlussabstimmung der ersten Lesung beschlossen, den auf diese Weise veränderten Verfassungsentwurf sowie den Entwurf des Einführungsgesetzes jetzt den einzelnen Landeskirchen zuzuleiten.
„Ich bin dankbar, dass die Synode diesen Schritt getan hat – das ist ein kraftvolles Ja“, sagte Bischof Ulrich. Ähnlich äußerten sich Mecklenburgs Landesbischof Dr. Andreas von Maltzahn und Pommerns Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit.
In einem neunmonatigen Beteiligungsprozess sollen nun Kirchengemeinden, Kirchenkreise, Dienste und Werke und weitere kirchliche Gremien und Körperschaften dazu Stellung nehmen können. Die Synode beschloss, noch offene Diskussionspunkte auf einem zusätzlichen Treffen im Januar weiter zu beraten und auf diese Weise eine Klärung im Blick auf die zweite Tagung zu erreichen.
„Ich bin zuversichtlich, dass die Gemeinsame Kirchenleitung eine gute Vorlage für die zweite Lesung erstellt, die mit sehr viel Sensibilität alle wichtigen Punkte aufnehmen wird“, sagte Bischof Abromeit. Die zweite Lesung wird auf einer Tagung der Verfassunggebenden Synode vom 21. bis 23. Oktober 2011 in Heringsdorf (Pommern) stattfinden, auf einer Tagung vom 6. bis 8. Januar 2012 in Linstow (Mecklenburg) ist die dritte Lesung vorgesehen. Stimmt die Verfassunggebende Synode dann mit Zwei-Drittel-Mehrheit zu und stimmen auch die Einzelsynoden jeweils mit dieser Mehrheit zu, kann die neue Kirche Pfingsten 2012 gegründet werden. Der Synode gehören 266 Mitglieder an.
Die rund 150 Änderungsanträge wurden zum Teil im Plenum abgestimmt, zum Teil in die Ausschüsse überwiesen. „Die Vielzahl der Anträge zeugt davon, wie intensiv sich die Synodalen mit den Vorlagen auseinandergesetzt haben“, sagte Synodenpräses Heiner Möhring. So votierte eine große Mehrheit der Synode für den Namensvorschlag „Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland (Nordkirche)“. Wie alle anderen Beschlüsse kann jedoch auch dieser Beschluss in den kommenden Tagungen der Synode noch revidiert werden.
Am Freitag hatten die Synodalen aus der mecklenburgischen, der nordelbischen und der pommerschen Kirche zunächst ein Präsidium gewählt. Zum Synodenpräses wurde Heiner Möhring (69) gewählt, der bereits als Präses die Synode der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs leitet. Zu weiteren Mitgliedern des Präsidiums wurden als erster Vizepräses Thomas Baum (54) aus der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche und als zweite Vizepräses Elke König (54) aus der Pommerschen Evangelischen Kirche gewählt.
Am Sonnabend hatte Bischof Ulrich für die Gemeinsame Kirchenleitung den Entwurf einer Verfassung in die Synode eingebracht. Die Synodalen debattierten darüber in erster Lesung und befassten sich auch mit dem Einführungsgesetz, mit einer Kirchengemeindeordnung, einem Wahlgesetz und einem Finanzgesetz. Außerdem wurde am Abend erstmals der „Evangelische Gemeindebriefpreis im Norden“ verliehen. Der erste Preis ging an die mecklenburgische Kirchgemeinde St. Johannis in Rostock, der zweite Platz an die nordelbischen Kirchengemeinden Seedorf-Mustin, der dritte Platz an die mecklenburgische Propstei Stargarder Land. „Gemeindebriefe sind das wohl reichweitenstärkste Medium in den evangelischen Kirchen“, sagte Landesbischof Dr. von Maltzahn, der die Preise überreichte. (31.10.2010)




