Carstensen für Lübeck als Sitz des Landesbischofs

 

Kiel (epd). Peter Harry Carstensen, CDU-Ministerpräsident in Schleswig-Holstein, hat sich für Lübeck als Sitz des Landesbischofs in einer künftigen "Nordkirche" ausgesprochen. Mit Blick auf die Trennung von Staat und Kirche plädiere er als Privatperson und nicht in seinen politischen Funktionen für Lübeck, so der Kieler Regierungschef in einem am Montag von der Kieler Regierungspressestelle bestätigten Zeitungsbericht.

 

Die drei Kirchenleitungen von Nordelbien, Mecklenburg und Pommern hatten sich am 5. Februar auf einen Fusionsvertrag geeinigt und vereinbart, dass Lübeck nicht wie ursprünglich geplant Zentrum der neuen "Nordkirche" werden soll. Stattdessen soll Kiel Sitz des Landeskirchenamtes und Schwerin Sitz des künftigen Landesbischofs werden.

 

Carstensen ist Mitglied der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche. "Persönlich schätze ich die über Jahrhunderte hindurch gewachsenen kirchlichen Strukturen in Schleswig-Holstein", sagte er. Falls sie umgestoßen würden, "wird dies in Schleswig-Holstein nicht zu einer breiten Akzeptanz der neuen Kirche für Norddeutschland beitragen".

 

Der stellvertretende Pressesprecher der Nordelbischen Kirche, Thomas Kärst, verwies darauf, dass die Synoden der Nordelbischen, Mecklenburgischen und Pommerschen Kirche Ende März die Entscheidung über die Standortfragen treffen würden. Carstensen habe sich deutlich als Privatperson geäußert.

 

Der jüngst unterzeichnete Fusionsvertrag für die geplante "Nordkirche" sorgt in Kirche und Gesellschaft für eine anhaltend kontroverse Debatte. Erst jüngst hatten in einem offenen Brief neun nordelbische Synodale aus Lübeck und Lauenburg gegen den Vertrag protestiert, weil Lübeck nicht mehr Standort von Landeskirchenamt und Landesbischof werden soll. Dagegen stoßen die Kosten für einen Lübecker Verwaltungsneubau in Höhe von rund 30 Millionen Euro in anderen Regionen Nordelbiens auf Ablehnung. Auch die 160 Mitarbeiter des derzeitigen Nordelbischen Kirchenamts in Kiel begrüßen die Standortentscheidung für Kiel.

 

Ende März werden alle drei Synoden in parallelen Sitzungen über den Vertrag entscheiden. Für die Annahme ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit nötig. Eine gemeinsame Kirche in den Bundesländern Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern hätte rund 2,4 Millionen evangelische Kirchenmitglieder. (16.2.2009)

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