Stationen eines ungewöhnlichen Fusionsprozesses - (Chronologie)

Schwerin/Lübeck (epd). Im Ostseebad Travemünde wollen am 29. Oktober 264 Kirchenparlamentarier aus Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern zusammenkommen, um drei Tage lang über die Verfassung der geplanten "Evangelischen Kirche im Norden" zu beraten. 2012 soll die Kirche mit ihren insgesamt 2,4 Millionen Mitgliedern offiziell gegründet werden. Es wäre die erste Kirchenfusion über die ehemals deutsch-deutsche Grenze hinweg. Die nachfolgende Chronologie dokumentiert wesentliche Stationen eines ungewöhnlichen Fusionsprozesses:

10. Januar 2004: Mecklenburg und Pommern nehmen Gespräche über eine Föderation auf, die in eine Fusion beider Landeskirchen münden soll. In einem Gutachten der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) war Pommern auf ein sich stetig vergrößerndes strukturelles finanzielles Defizit hingewiesen worden.

27. Februar 2006: Beide Kirchen verständigen sich auf "Prinzipien und Ziele einer gemeinsamen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Mecklenburg und Vorpommern".

16. Oktober 2006: Die pommersche Synode, der ein ausgehandelter Rahmenvertrag für die Fusion mit Mecklenburg vorliegt, plädiert überraschend für Sondierungsgespräche mit der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Landesbischof Hermann Beste (Schwerin) erteilt dem von seinem Greifswalder Amtskollegen Hans-Jürgen Abromeit vorgebrachten und 2004 bereits von der Lübecker Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter angeregten Vorschlag einer gemeinsamen Nordkirche mit Nordelbien eine klare Absage.

15. Februar 2007: Nach Abschluss der Sondierungsgespräche mit Berlin-Brandenburg werden Pommerns Gemeinden über einen möglichen Beitritt zu der größeren Nachbarkirche informiert.

28. Februar 2007: Nordelbien lädt Mecklenburg und Pommern zu "Sondierungsgesprächen" ein.

14. Juni 2007: Beginn der offiziellen Sondierungsgespräche.

November 2007: Nach Vorlage erster gemeinsamer Eckdaten votieren alle drei Synoden für offizielle Fusionsverhandlungen.

9. Februar 2008: In der nordelbischen Synode regt sich erste Kritik am Zeitplan für eine Fusion, für die Kiel, Hamburg, Lübeck und Schwerin alternativ als die künftigen gemeinsamen Standorte von Kirchenamt und Landesbischof geprüft werden.

5. April 2008: Die Synoden der evangelischen Kirchen in Mecklenburg und Vorpommern sprechen sich in getrennten Tagungen mehrheitlich für die Bildung einer gemeinsamen "Nordkirche" aus. Im Vertrag über die angestrebte Fusion fordern sie klare Festlegungen zum künftigen Sitz des Bischofs und des Kirchenamtes sowie zur Finanzverteilung und zur Versorgungsregelung.

17. April 2008: Trotz Widerstands an der Kirchenbasis drängt das nordelbische Bischofskollegium auf Einhaltung des ursprünglichen Zeitplans. Zuvor hatten sämtliche Kirchenkreise in einer Resolution Aufklärung über die Kosten gefordert.

28. April 2008: Die drei Kirchenleitungen schlagen offiziell Lübeck als Standort für das Landeskirchenamt und den Landesbischof vor.

20. September 2008: Die nordelbische Synode kritisiert die Standortentscheidung für die Nordkirche und regt die Trennung von Kirchenamt und Sitz des Landesbischofs an. Auch die mecklenburgische Synode fordert nach kontroverser Debatte die Kirchenleitung zu Nachverhandlungen auf.

19. Oktober 2008: Die pommersche Synode stimmt nach kontroverser Debatte dem Fusionsvertrag zur Nordkirche mit großer Mehrheit grundsätzlich zu.

10. Dezember 2008: Der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering (SPD), spricht sich für Schwerin als Bischofssitz der Nordkirche aus. Zwei Monate später plädiert sein Kieler Amtskollege Peter Harry Carstensen (CDU) für Lübeck.

23. Januar 2009: Die nordelbische Pastorenschaft lehnt die Nordkirche als ein "von betriebswirtschaftlichen Motiven" geleitetes "Modell von oben" ab.

5. Februar 2009: In Ratzeburg unterzeichnen die Kirchenleitungen den Fusionsvertrag. Entgegen der ursprünglichen Planung wird darin Kiel als Standort des gemeinsamen Landeskirchenamtes festgelegt, Schwerin soll Sitz des Landesbischofs werden. Nordelbien verzichtet auf die für 2009 geplante Wahl eines neuen Landesbischofs.

28. März 2009: Nach kontroversen Debatten stimmen die Synoden der drei Landeskirchen auf getrennten Tagungen zeitgleich dem Fusionsvertrag mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit zu.

27. Mai 2009: Die drei Kirchenleitungen einigen sich bei einer ersten gemeinsamen Sitzung in Hamburg darauf, dass die Fusion der drei Partnerkirchen zu Pfingsten 2012 in Kraft treten soll.

18. September 2010: Auf einer gemeinsamen Sitzung in Ludwigslust beschließen die drei Kirchenleitungen den Entwurf für eine Verfassung. Zugleich schlagen sie als Namen "Evangelische Kirche im Norden" vor.

24. September 2010: Der Schleswiger Bischof Gerhard Ulrich erklärt vor der nordelbischen Synode, weiter für den Namen "Evangelisch-Lutherische Kirche im Norden" werben zu wollen.

10. Oktober 2010: Die pommersche Synode äußert sich enttäuscht über die im Verfassungsentwurf vorgesehene Regelung, dass die künftige Nordkirche in der Union Evangelischer Kirchen nur einen Gaststatus erhalten soll.

29. Oktober 2010: Die Verfassunggebende Synode der geplanten Nordkirche kommt in Lübeck-Travemünde zu dreitägigen Beratungen zusammen. Dabei soll der Verfassungsentwurf erstmals öffentlich präsentiert werden. (26.10.2010)

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