Nordkirche startet ins "Jahr der Debatten"
Kiel/Schwerin (epd). Die wegweisenden Entscheidungen sind gefallen - für die Nordkirche wird 2011 zunächst einmal zum "Jahr der Debatten". Bereits am 14. Januar wollen die evangelischen Kirchenparlamentarier aus Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein in Travemünde zusammenkommen, um zwei Tage lang ohne wichtige Abstimmungen nur zu diskutieren. Unabhängig von der Nordkirche werden die Synodalen aus Nordelbien 2011 einen Bischof oder eine Bischöfin für Hamburg und Lübeck wählen. Die Kandidaten sind derzeit so unbekannt wie der genaue Wahltermin.
Nachdem die drei Landeskirchen Mecklenburg, Nordelbien und Pommern vor knapp zwei Jahren der Fusion zur Nordkirche im Grundsatz zugestimmt hatten, kamen die rund 230 Synodalen Ende Oktober 2010 in Travemünde erstmals zur Verfassunggebenden Synode zusammen. In beinahe letzter Minute brachten sie am Ende des dreitägigen Rede- und Abstimmungsmarathons die neue Verfassung mitsamt Überleitungsgesetz auf den Weg, damit die Kirchenbasis darüber diskutieren kann.
Ein klares Zeichen setzte die Synode jedoch mit einem neuen Kirchennamen: "Evangelische Kirche im Norden" wurde gekippt und stattdessen "Evangelisch-Lutherische in Norddeutschland" gekürt. Damit steht nicht nur eine genauere Ortsbezeichnung, sondern auch ein klares konfessionelles Profil für die Nordkirche. Was darunter genau zu verstehen ist, ließen die debattierenden Theologen allerdings offen. Zumindest als Person steht der Reformator Martin Luther (1483-1546) für Glaubensstärke, Tatkraft und Lebensfreude.
Mittlerweile gibt es erste Erklärungen für das "Lutherische": Für den Schleswiger Bischof Gerhard Ulrich, Vorsitzender der Gemeinsamen Kirchenleitung, haben in einer lutherischen Kirche der Gottesdienst und seine Liturgie eine hohe Bedeutung. Einen Gottesdienst zu gestalten, werde auch in der Nordkirche ein zu pflegendes "Handwerk" sein, das stetige Weiterbildung benötige. Wo es an Pastoren mangele, sollten Laienprediger eingesetzt werden.
Im Zentrum stehe für Lutheraner die Bibel, so Bischof Ulrich weiter. Über die Wahrheit entscheide nicht der Bischof. Stattdessen werde die Wahrheit im Diskurs der Glaubenden gesucht, auch wenn es derzeit in den evangelischen Kirchen eine große Sehnsucht nach "Hierarchisierung" gebe. Die Nordkirche kommt derzeit allerdings noch ohne die mahnenden Worte eines gemeinsamen Landesbischofs aus. Der soll erst 2013 gewählt werden und bekommt seinen Sitz in Schwerin.
Zu einer lutherischen Kirche gehöre unbedingt die Musik, fügt der nordelbische Landeskirchenmusikdirektor Hans-Jürgen Wulf hinzu. Gut ausgebildete Kantoren, anspruchsvolle Chöre und ein fröhlicher Gemeindegesang zählten dazu. Wulf: "Die Musik von Bach ist ohne Luther nicht denkbar." Schließlich habe Luther auch selbst komponiert. Die norddeutsche Orgellandschaft sei auch eine Nachwirkung der Reformation.
Bis zum Sommer 2011 können sich alle Gemeinden, Kirchengruppen, Einzelpersonen und Gremien an der Debatte um die Gestalt der künftigen Nordkirche beteiligen. Bis Oktober sollen die Vorschläge dann gebündelt werden, ehe die Synodalen der drei Landeskirchen darüber abstimmen. Wenn die nötige Mehrheit zusammenkommt, folgt dann auf die langen Debatten das Fest. Pfingsten 2012 soll die Gründung der Nordkirche ausgiebig gefeiert werden. (30.12.2010)



