Kontroverse Nordkirchendiskussion auf mecklenburgischer Synode

 

Schwerin (epd/rn). Die Aussprache zum Fusionsvertrag gestaltete sich bislang kontrovers. Pastor Tom Ogilvie freute sich, dass fast alle mecklenburgischen Änderungswünsche aufgenommen worden seien und signalisierte Zustimmung. Marcus Antonioli (Rostock) sagte, der Vertrag "bekommt sicher keinen Schönheitspreis," Mecklenburg bekomme aber durch die Fusion mehr Geld.

 

Der Leiter der Evangelischen Akademie Mecklenburg-Vorpommern, Klaus-Dieter Kaiser, äußerte die Befürchtung, dass Mecklenburg wegen des starken Oberzentrums Hamburg und des anhaltenden Reformprozesses in Nordelbien in der Nordkirche kaum noch vorkommen werde. Nicole von Leesen (Rostock) kritisierte die uneinheitliche Arbeitsrechtssetzung in der Nordkirche.

 

Lutz Decker kritisierte, dass durch die Fusion keine Voraussetzungen für eine wirklich neue Kirche geschafft würden, die sich den Herausforderungen in einer weithin säkularisierten Welt stellt. Mit einem Stimmenanteil von sechs bis acht Prozent könnten die Mecklenburger in der Nordkirchensynode nichts durchsetzen. Zudem sei die Auflösung der über 460 Jahre alten Landeskirche unumkehrbar, warnte er.

 

Der Güstrower Landessuperintendent Fridolf Heydenreich lobte die Verhandlungsführenden, „weil da mehr Mecklenburgisches drin ist, als ich gedacht hatte.“ Er sah aber einen großen Arbeitsbereich vor der Landeskirche, wie ein mecklenburgischer Kirchenkreis gestaltet werden solle. „Darüber haben wir noch kaum nachgedacht, wie ein so großer Kirchenkreis funktioniert.“

 

Der Synodale Friedrich-Heinrich Thomale befürwortete den Vertrag „als eine zusätzliche Möglichkeit, daß Ost und West weiter zusammenwachsen. Gerade eine Kirche, die in drei Bundesländern arbeite biete dafür eine besondere Chance, die man jetzt nicht verpassen sollte.

 

Änne Lange von der Evangelischen Akademie dankte der Kirchenleitung für „die viele Mühe, Zeit, Energie und Kraft“, die in diesem Ergebnis steckt und sie freute sich, daß „wesentliche Punkte hineinverhandelt“ wurden.

 

Der Synodale Frank Claus plädierte für die Bildung einer Kirche, „die das Bundesland zusammenhält,“ und meinte, daß es in der neuen Synode nicht einen Block Pommern gegen Nordelbien gäbe, sondern die Interessen der Kirchenkreise dann sehr unterschiedlich sein würden.

 

Der frühere Schweriner Justizminister Ulrich Born erklärte, die Vorteile einer eigenständigen mecklenburgischen Kirche würden für ihn überwiegen, zumal sich die Mecklenburger aufgrund ihres geringen Stimmengewichts in einer gemeinsamen Synode nicht gegen nachträgliche Änderungen am Fusionsvertrag wehren könnten wie etwa die Rückverlegung des in Schwerin angesiedelten Sitzes für den Landesbischof nach Nordelbien.

 

Der Regierungsbeauftragte Martin Scriba wies daraufhin, daß es sich bei der Nordkirche nicht nur um eine Ost-West-Fusion handele sondern auch um eine Ost-Ost-Fusion in Mecklenburg-Vorpommern.

 

Landesbischof Dr. Andreas von Maltzahn ging auf die Frage ein, ob bei einer Fusion nicht alles beim alten bleiben würde. „Das ist eine Versuchung, wenn es in einer Übergangszeit etwas entspannter wird. Vor uns steht eine gemeinsame Gestaltungsaufgabe. Wenn wir nicht vergessen, die Weichen richtig zu stellen, kann dabei auch etwas Gutes herauskommen.“

 

Pastor Dr. Daniel Havemann schaute auf 10 Jahre Konfirmandenarbeit zurück und plädierte für den Fusionsvertrag: „70% meiner Konfirmanden wohnen in Schleswig-Holstein und Hamburg. Wir sind daher doch schon längst ein gemeinsamer Lebensraum. Daher sind wir in der Pflicht, diesen gemeinsamen Lebensraum auch geistlich zu gestalten.“

 

Der Rektor des Theologisch-Pädagogischen Instituts, Hartwig Kiesow, sagte, für die Fusion gebe es keinen Anlass. Nötig sei ein Aufbruch und enge Kontakte untereinander und vielleicht später einmal eine Fusion. Im Hinblick auf die nordelbischen Strukturverhandlungen sagte er, daß „der Nachbar grade seinen Garten umgrabe“ und man daher abwarten solle.

 

Die Stargarder Landessuperintendentin Christiane Körner meinte "Ich habe es mir nicht leichtgemacht und stehe zu einem klaren Ja zur Nordkirche. Schon jetzt empfinde ich das als eine Bereicherung. Bei Besuchen in größeren Landeskirchen sehe ich Möglichkeiten, die wir als eine kleine Kirche nicht haben. Ich höre auch viele Gemeindeglieder, die sagen: ,Warum überlegt ihr denn immer noch – wir sind für die Nordkirche.'"

(27.3.2009)