Fachkongress „Himmlische Ferien“ in Norddeutschland
Mehr Rückenwind für Tourismusangebote der Kirche gefordert
Fleesensee (cme). „Der Horizont der Gastfreundschaft kann einen beschenken.“ Mit diesen Worten stimmte Landessuperintendentin Christiane Körner (Neustrelitz) die gut 80 Teilnehmer des zweitägigen Fachkongresses „Himmlische Ferien“ ein, der bis zum heutigen Freitag in der Müritzregion tagt. Kirchenvertreter aus Nordelbien, Pommern und Mecklenburg tauschen sich dabei mit Touristikern über Angebote von Kirchengemeinden aus und erarbeiten neue Perspektiven. Projekte wie etwa „Kirche am Urlaubsort“ und „Kirche unterwegs“, die es entlang der Nord- und Ostseeküste gibt, sollten von der Evangelischen Kirche in Deutschland „als missionarische Aufgabe verstanden und als Pilotprojekt unterstützt werden“, regte der Beauftragte für Kirche und Tourismus der mecklenburgischen Landeskirche, Kersten Koepcke, an. Denn oftmals hätten Kirchgemeinden in Tourismusorten zu knappes Personal oder keinen finanziellen Spielraum, um Urlaubern attraktive Offerten anzubieten.
Dass trotz dieser Widrigkeiten viel Kreatives auf die Beine gestellt wird, zeigten einige Erfahrungsberichte: So lädt auf der pommerschen Insel Usedom die „Kirche am Meer“ ein. Das Angebot für Urlauber und Einheimische reicht von Taizé-Andachten, über Theateraufführungen und Konzerten bis hin zu einem christlichen Gastgeberverzeichnis. „Hier können Erholungssuchende Quartiere bei Usedomer Christen finden und sich zugleich gegenseitig kennenlernen“, so Pastor Dr. Tilman Beyrich. Im schleswig-holsteinischen Büsum begeben sich Urlauber seit Jahren aufs Meer und feiern einen „Kuttergottesdienst“ oder lauschen mit ihren Kindern am Abend einer Gute-Nacht-Geschichte. „Dafür engagieren sich Jahr für Jahr 36 Damen und Herren ehrenamtlich in 14 Teams“, berichtete Volkmar Schadwinkel von der Urlauberseelsorge Büsum. Gelungene Projekte finden sich ebenso in den mecklenburgischen Ostseebädern Rerik und Kühlungsborn. So erzählte Pastorin Karen Siegert von nächtlichen Kirchenführungen, dem Orgelsommer, Entdeckungstouren per Fahrrad, dem Theaterprojekt „Sansibar“ oder dem jährlichen Leuchtturmgottesdienst. Ihr Kollege Matthias Borchert stellte den Seebrückengottesdienst vor, der zusammen mit der Stadt Kühlungsborn vorbereitet wird. „Der Brückenschlag zwischen Kirche und Kommune ist unheimlich wichtig“, so der Pastor, dessen Kirchgemeinde in den Sommermonaten zudem auf dem Campingplatz ein Zelt aufschlägt.
Rückenwind bekamen die Kirchenvertreter vom Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern: Sowohl Präsident Matthias Löttge als auch Geschäftsführer Bernd Fischer nahmen nicht nur am Kongress teil, sondern ermunterten die Kirchen selbstbewusst ihre Angebote mit denen der Tourismuswirtschaft zu vernetzen Schließlich seien die mehr als 1000 Dorf- und Stadtkirchen in MV ein "wesentliche Kulturträger und Überbringer von Geschichten und Geschichte", so Löttge in einem Beitrag der Schweriner Volkszeitung vom heutigen Tag. Kirchen seien im Sommerhalbjahr seltener verschlossen als noch vor einigen Jahren. Erfreut zeigt sich Präsident Löttge über Aktivitäten und Nutzungen, die über den Gottesdienst hinausgehen, wie etwa die Radfahrerkirche in Pantlitz (Nordvorpommern), die Kultur- und Wegekirche in Landow auf Rügen und die Hörspielkirche in Federow im Müritz-Nationalpark. Und Bernd Fischer berichtete, dass das Wandern im Norden zunehmend eine Rolle spiele und Pilgertouren sehr beliebt seien. Mehr als eine Million Besucher zählen allein die mittlerweile 30 Klosterstätten in Mecklenburg-Vorpommern.
Erlebnisse stiften, Raum geben und Ansprechen – von diesem Dreiklang bei der Urlauberseelsorge sprach Oberkirchenrat Dr. Thies Gundlach vom EKD-Kirchenamt auf dem Kongress. Dieser wurde von den Gemeindediensten in Nordelbien und Mecklenburg sowie den Missionarischen Diensten der pommerschen Kirche veranstaltet und hat nach den Worten von Ulrich Schmidt (Gemeindedienst Nordelbien) „die Idee Nordkirche schon einmal vorweggenommen“. (29.3.2010)






