Zuversicht nach steifer Brise - 2009 steht die Entscheidung über eine evangelische "Nordkirche" an

 

Schwerin/Kiel (epd). Noch knapp drei Monate, dann fällt die Entscheidung. Am 26. März müssen die mecklenburgische, nordelbische und die pommersche Synode über eine Fusion ihrer Landeskirchen Anfang 2012 entscheiden. Die Vorzeichen für eine evangelische "Nordkirche" mit rund 2,4 Millionen Mitgliedern stünden gut, glaubt der Präses der pommerschen Kirche, Rainer Dally.

 

Klappt die Fusion, wäre dies der dritte Zusammenschluss von Landeskirchen innerhalb weniger Jahre. Schon zum Jahreswechsel fusioniert die Thüringer Kirche mit der Kirchenprovinz Sachsen.

 

Dally erinnert daran, dass den drei Kirchenparlamenten bereits im Herbst ein "nahezu vollständig abgestimmter Text des Fusionsvertrages" vorgelegt worden war, der überall mit großer Mehrheit verabschiedet wurde. Standort für Kirchenamt und Leitenden Bischof soll demnach Lübeck, für den Sprengelbischof von Mecklenburg-Vorpommern die Hansestadt Greifswald sein.

 

Nach dem ursprünglichen Zeitplan hätten die Synodalen aber bereits zu diesem Zeitpunkt endgültig über die Fusion abstimmen sollen. Doch den nordelbischen Kirchenparlamentariern war dies zu schnell gegangen. "Wir wollten es nicht übers Knie brechen", erklärt Präses Hans-Peter Strenge und bezeichnet es als "wichtigste Entscheidung des vergangenen Jahres, dass wir die endgültige Abstimmung verschoben haben".

 

Strenge räumt ein, den Wunsch nach Beteiligung in seiner Landeskirche zunächst unterschätzt zu haben. "Ich habe gedacht: Das ist doch eine Sache der Landeskirche." Mittlerweile sei ihm jedoch deutlich, dass hinter dem Zögern seiner Kollegen konkrete Befürchtungen steckten, "aber so schlau war ich zu Anfang des Jahres noch nicht".

 

Zu den strittigen Punkten gehört vor allem das unterschiedliche Arbeitsrecht. "Wir wollen unsere Tarifstruktur behalten", betont Strenge. Während in Nordelbien Tarifverträge zwischen Arbeitgeberseite und Gewerkschaften abgeschlossen werden, handeln in der mecklenburgischen und der pommerschen Kirche paritätisch besetzte Arbeitsrechtliche Kommissionen entsprechende Regelungen aus.

 

Ähnlich eindeutig sind in diesem Punkt jedoch auch die Mecklenburger und Pommern. "Am unterschiedlichen Arbeitsrecht müssen wir uns noch abarbeiten", formuliert der Schweriner Oberkirchenratspräsident Andreas Flade. Es sei deutlich, dass beide Seiten "sehr zu ihren Traditionen" stünden. "Aber wir brauchen bis Anfang Februar Ergebnisse."

 

Das sieht der pommersche Präses Dally nicht so und verweist auf den Fusionsvertrag. Darin heiße es, man wolle "auf eine gemeinsame Arbeitsrechtssetzung zugehen". Dies bedeute, dass die Frage nicht zwingend noch vor der entscheidenden Synodentagung im März geklärt werden müsse. Mit der Zustimmung zur Fusion werde ein Kirchenverband gegründet, in dem jede Kirche bis 2012 ihre Hoheit behalte. "Da drängt die Zeit gar nicht."

 

"Haken" würde es in Nordelbien auch noch beim künftigen Sitz des Bischofs und des Kirchenamtes, räumt Präses Strenge weiter ein. So fürchteten einige Synodale zu hohe Kosten für den Fall eines Umzugs des Kirchenamtes von Kiel nach Lübeck. "Wir nehmen wahr, dass es an dieser Stelle Diskussionen gibt, aber das ist im Moment ein nordelbisches Problem", zeigt sich der Schweriner Oberkirchenratspräsident Flade in diesem Punkt gelassen.

 

Und auch Präses Strenge ist optimistisch, dass die Diskussionen hier "zu einem Ergebnis kommen, wie wir es ursprünglich vorgeschlagen haben". Eine große Mehrheit sei sich dessen bewusst, dass in Nordelbien eine neue Synode gewählt werde und die Fusionsverhandlungen deshalb jetzt zum Abschluss gebracht werden müssten. "Ansonsten müsste die neue Synode ja wieder bei Adam und Eva anfangen."

Von Nicole Kiesewetter

(30.12.2008)

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