Pastor Daniel Havemann zum Namen der Nordkirche
Kurz und prägnant: Evangelisch
Wir sind lutherisch, keine Frage. So wird es in unserer Verfassung stehen. Da gehört es hin. Aber in unseren Namen gehört es nicht. Die Gründe dafür liegen auf der Hand:
Der erste Grund ist schlicht die Kürze und Prägnanz. Gewiss, wir haben uns daran gewöhnt, dass man die Namen unserer Landeskirchen kaum aussprechen kann. Wir haben uns daran gewöhnt, dass der Hang zur Präzision diese Namen zu Wortungetümen aufgebläht hat. Aber ist das deshalb gut? Spitznamen sind eine schöne Sache – aber weder einem Kind noch einer Kirche sollte man einen Namen geben, von dem man vorher schon weiß, dass man ihn im Alltag nicht gebrauchen kann.
Der zweite Grund ist die Verständlichkeit – nicht nur für uns selbst, sondern auch für Außenstehende. Wir denken nach wie vor zu sehr in der Sprache von binnenkirchlichen Kreisen, von Gremien und Institutionen. Luther hat „dem Volk aufs Maul geschaut“. Das hatten wir uns eigentlich auch vorgenommen: Seit Jahren versuchen wir, uns für die Sicht von Kirchendistanzierten zu öffnen. Jetzt, auf unserem gemeinsamen Weg, wollten wir auch die Konfessionslosen neu wahr- und ernst nehmen. Wollen wir all das wirklich? Dann lasst uns unserer Kirche einen Namen geben, der auch von ihnen verstanden wird.
Der dritte Grund ist das Signal in die evangelische Ökumene. Warum müssen wir schon in unserem Namen sagen, dass wir nicht nur evangelisch, sondern auf eine ganz besondere Weise evangelisch sind? Dass wir uns von ihnen unterscheiden? Seit der Leuenberger Konkordie 1973 haben wir mit vielen anderen evangelischen Kirchen Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft. Es ist Zeit für neue, positive Signale.
Keine Angst: Man wird uns nicht für Baptisten, für freikirchlich oder evangelikal halten, wenn wir uns einfach „evangelisch“ nennen. Zwölf deutsche Landeskirchen heißen so – unter ihnen auch zwei mit lutherischem Bekenntnis.
Doch fragen wir Luther selbst! Seine Antwort ist eindeutig und unnachahmlich klar: „Man wolle meines Namens geschweigen und sich nicht lutherisch, sondern Christen heißen. Was ist Luther? Ist doch die Lehre nicht mein. So bin ich auch für niemand gekreuzigt. […] Wie käme denn ich armer, stinkender Madensack dazu, dass man die Kinder Christi sollte mit meinem heillosen Namen nennen? Nicht also, liebe Freunde, lasst uns tilgen die parteiischen Namen“ (WA 8,685).
Ja, wir sind eine lutherische Kirche. Deshalb lasst uns auf Luther hören: Lasst uns tilgen die parteiischen Namen und uns einfach „evangelisch“ nennen.
Pastor Dr. Daniel Havemann




