Hamburger Bischöfin Maria Jepsen zurückgetreten

Hamburg (nek). Maria Jepsen, Bischöfin für den Sprengel Hamburg und Lübeck der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche ist am Freitagnachmittag zurückgetreten.

Rücktrittserklärung von Bischöfin Maria Jepsen:

Ich habe mein Bischofsamt angetreten mit dem mir aus Kindertagen vertrauten Psalmwort „Siehe, wie fein und lieblich ist es, wenn Geschwister einträchtig beieinander wohnen!“

Vertrauensvolle Zusammenarbeit ist mir immer von großer Bedeutung gewesen. Ohne Ehrlichkeit und Offenheit hätte ich meinen Dienst nicht tun können und wollen. Ich habe mich verstanden als eine leitende Geistliche, der für die eigene Nordelbische Kirche und für die Ökumene Verantwortung übertragen wurde.

Ich habe das Gespräch und die Zusammenarbeit mit Angehörigen anderer Religionen gesucht und versucht, den Menschen in Stadt und Land nahe zu sein, hörend, handelnd und betend.

Fein und lieblich ist augenblicklich fast gar nichts in meinem bischöflichen Amt.
Meine Glaubwürdigkeit wird angezweifelt.

Von daher sehe ich mich nicht in der Lage, die frohe Botschaft so weiterzusagen, wie ich es bei meiner Ordination und bei meiner Bischofseinführung vor Gott und der Gemeinde versprochen habe.

Als Geistliche meiner Kirche habe ich mich immer darum bemüht, eine gute Dienerin in Wort und Tat zu sein, in der Nachfolge Jesu Christi für Gott und die Menschen da zu sein. Daran wird sich nichts ändern.
„Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg“ – an diesem Psalmvers, meinem Konfirmationsspruch, orientiere ich mich, trotz der Äußerungen in den Medien, die mir Schlimmes unterstellen.

Ich danke allen, mit denen ich meinen bischöflichen Dienst ausüben durfte, in der Nordelbischen Kirche und Ökumene, in Stadt und Land.
Ich danke insbesondere Bischof Ulrich für seine Unterstützung in diesen Tagen.

Ich wünsche meiner Kirche und insbesondere den evangelisch- lutherischen Christen und Christinnen im Sprengel Hamburg und Lübeck Gottes Segen, dass Eintracht, Freude und unverzagt fröhlich gelebter Glaube ihr Miteinander bestimme.

Ich erwarte, dass die Missbrauchsfälle in Ahrensburg und anderswo zügig aufgeklärt werden und die Wahrheit ans Licht kommt.

Hiermit erkläre ich meinen Rücktritt als Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck.
Maria Jepsen

Zum Rücktritt von Bischöfin Maria Jepsen erklärt die Nordelbische Kirchenleitung:

Der Rücktritt von Maria Jepsen schmerzt uns als Nordelbische Kirche außerordentlich. Wir sehen mit großem Bedauern und Respekt auf diese persönliche Entscheidung. Mit Maria Jepsen verlieren wir eine gute und erfahrene Bischöfin, auf die unsere Kirche immer bauen konnte. Sie wird uns als Bischöfin fehlen, auch weil sie sich wie kaum eine andere Vertreterin der evangelischen Kirche immer an die Seite der Opfer und Benachteiligten in unserer Gesellschaft stellt.

Maria Jepsen hat sich, seit sie im Jahr 1992 als weltweit erste Frau ein lutherisches Bischofsamt übernahm, unserer Kirche und der weltweiten Ökumene wichtige Impulse gegeben. Ganz besonders hat sie sich für die Sache der an Leib und Seele gequälten Menschen eingesetzt. Das hat ihr viel Anerkennung, aber auch manche Anfeindung eingetragen. Es ist daher eine besondere Tragik, dass Bischöfin Jepsen mit ihrem Rücktritt Verantwortung für etwas übernimmt, das ihr in keiner Weise als persönliche Schuld angelastet werden kann und darf. Sie hat im Rahmen ihrer Verantwortung getan, was zu tun nötig war – gerade auch in der Frage des Umgangs mit sexuellem Missbrauch.

Zu den Vorfällen in Ahrensburg wiederholt die Kirchenleitung, was ich als ihr Vorsitzender gestern schon sagte: Wir sehen mit Abscheu und Scham auf das, was in Ahrensburg und an anderen Orten Menschen von Pastoren und Mitarbeitern unserer Kirche angetan worden ist. Sexueller Missbrauch wird in keiner Weise und zu keiner Zeit geduldet, sondern er wird aufgeklärt und rechtlich verfolgt. Das war, das ist und das bleibt ein Grundsatz, auf den unsere Kirche sich verpflichtet.

Wir haben in der Vergangenheit bewiesen, dass es uns Ernst ist mit dem Einsatz gegen sexuelle Gewalt. In Bezug auf Ahrensburg scheint es so zu sein, dass zu einer bestimmten Zeit in unseren Strukturen nicht angemessen mit allen Informationen umgegangen worden ist. Bis Ende Juli wird ein erster Zwischenbericht dazu vorliegen.

Die Kirchenleitung dankt Bischöfin Maria Jepsen für den langen und segensreichen Dienst in und an unserer Kirche. Ich sage ihr auch persönlich Dank für die Begleitung und die geschwisterliche Art des Umgangs miteinander.

Möge Gottes Segen dich auf deinem weiteren Weg begleiten.

Bischof Gerhard Ulrich, Vorsitzender der Kirchenleitung
(16.7.2010)