12.5.2007: Nordkirchenleitungen für gemeinsame Kirche

 

Greifswald (ran). Die Kirchenleitungen Nordelbiens, Mecklenburgs und Pommerns empfahlen nach Abschluß ihrer gemeinsamen Tagung am 11. und 12 Mai 2007 in Greifswald ihren Kirchen, auf eine Fusion der drei Kirchen zuzugehen. Dazu soll eine paritätische Steuerungsgruppe unter Leitung der Lübecker Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter eingerichtet werden. Der pommersche Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit benannte für diesen Prozeß einen „kürzeren mittelfristigen Zeitraum.“ Die Lenkungsgruppe soll paritätisch mit je vier Mitgliedern aus den Landeskirchen besetzt werden und ihre Vorlage bis Anfang September vorlegen da die nordelbische Landessynode schon Ende September tagen wird.

 

„Es war ein sehr einvernehmlicher Beschluß und eine außerordentlich konstruktive Atmosphäre,“ so bilanzierte Bischof Hans-Christian Knuth (Schleswig) die Gespräche im Greifswalder Krupp-Wissenschaftskolleg. Für ihn stünden „die geistlichen Beziehungen im Vordergrund,“ die man schon lange vor der Wende zu Pommern gehabt habe „und im kleinen Grenzverkehr“ auch zu Mecklenburg. „Wir gehören zusammen,“ sagte Knuth, auch hinsichtlich der Bekenntnisfragen und im Ostseeraum.

 

Der mecklenburgische Synodalpräses Seel sagte, „uns steckt noch ein wenig die Enttäuschung in den Knochen, daß die Fusion mit Pommern gescheitert ist,“ aber er betonte, daß „die Gemeinsamkeit mit den Pommern ja in der neuen Kirche im Ostseeraum“ erhalten bliebe.

 

Der pommersche Bischof Abromeit hofft, „daß ein zündender Funke seinen Weg in die Landeskirchen findet“ und benannte einige der Themen, die die Steuerungsgruppe zu bearbeiten hat: Frage nach der Leitidee, Grundüberlegungen zur Verfassung, Leitungsstrukturen von Gemeinde bis hin zur Kirchenleitung, Dienste und Werke, Verwaltung, Öffentlichkeitsarbeit, Personal- und Dienstrecht, Finanzsysteme Mitgliedschaft in Kirchenbünden und die Standortfragen. Für diese Arbeit sei „professionelle Begleitung“ vereinbart worden.

Abromeit betonte auch: „Wir müssen die Gemeinden, die Kirchenkreise und die Synoden mit auf den Weg nehmen.“ Er teilte mit, daß deswegen die pommersche Herbstsynode von Oktober auf Mitte November (16.-18.11) verschoben worden sei, um Zeit für das Gespräch in der Landeskirche zu haben. Die pommersche Synode tagt damit fast gleichzeitig mit der mecklenburgischen Landessynode (15.-17.11.).

Abromeit hob im Pressegespräch auch hervor, daß „möglichst bald Gelegenheit sein sollte, einen definitiven Synodenbeschluß zu fassen, der den Fusionsprozeß unumkehrbar macht.“

 

Bischof Knuth erklärte, warum die nordelbische Kirche sich im Fusionsprozeß zwischen Pommern und Mecklenburg so zurückgehalten habe. Es sollte „nicht der Eindruck entsteht, daß ein großer Partner zwei kleine Kirchen übernimmt oder daß wir unser Gebiet vergrößern wollten.“ Knuth wies auch darauf hin, daß es in der Öffentlichkeit oft unterschätzt werde, daß man eine gemeinsame lutherische Grundlage habe. „Dies spielt bei Verfassungsfragen, beim Amt oder beim Gemeindeverständnis oft eine große Rolle.“ Und er fügte im Blick auf die vorerst gescheiterten Fusionsbemühungen der Kirchenprovinz und Thüringen hinzu: „Insofern haben wir es leichter.“

 

Der Schleswiger Bischof Knuth betonte, daß man „aus innerer Überzeugung“ die Worte Beitritt oder Anschluß vermieden habe. „Es muß eine neue Kirche werden, denn auch Nordelbien wird nicht das bleiben, was es war.“ Und auf die Feststellung, daß die Verhandlungen zischen Pommern und Mecklenburg in den vergangenen vier Jahren ja nicht einfach gewesen seien und wie dann Verhandlungen mit drei Kirchen werden würden, antwortete Knuth trocken: „Manchmal ist es einfacher sich zu dritt zu verständigen als zu zweit.“

 

Auch der mecklenburgische Synodalpräses Seel war optimistisch: „Wir wollen es schaffen und dann haben wir hinsichtlich Fusionsfragen lange, lange, lange ausgesorgt.“

 

Anfang Juni wird die mecklenburgische Kirchenleitung als letzte der drei Kirchenleitungen tagen und ihre Vertreter für die Leitungsgruppe benennen, zu der jeweils der oder die Vorsitzende bzw. stv. Vorsitzende der Kirchenleitung, eine Person aus dem Präsidium der Synode, eine Person aus den Ämtern und eine weitere zu benennede Person gehören wird.

 

Der Wortlaut des Beschlusses wird erst nach Verabschiedung durch die drei Kirchenleitungen der Öffentlichkeit bekanntgegeben.

 

Die Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche hat 2,1 Mio Mitglieder, die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Mecklenburgs 205.000 Mitglieder und die Pommersche Evangelische Kirche 102.000 Mitglieder. Die neue Landeskirche würde zu den fünf größten Landeskirchen in der EKD gehören.