Konfessionelle Mitgliedschaft der neuen Kirche

Im Fusionsprozess spielt auch die Frage der Mitgliedschaft der neuen Kirche in den landeskirchlichen Kirchenbünden eine Rolle. Angedacht ist, dass die neue Kirche Mitglied der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) wird und in der Union Evangelischer Kirchen (UEK) eine ausgestaltete Gastmitgliedschaft erhält. Die evangelischen Landeskirchen in Deutschland sind nicht nur in der EKD zusammengeschlossen. Je nach konfessioneller Prägung gehören sie in der Regel auch einer gliedkirchlichen Gemeinschaft an: der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) oder der Union Evangelischer Kirchen (UEK).

Die Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche (NEK) und die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Mecklenburgs (ELLM) sind Mitgliedskirchen der VELKD, die Pommersche Evangelische Kirche (PEK) ist Mitglied der UEK. Beide Bünde verfolgen kirchenpolitisch unterschiedliche Ziele: Die VELKD versteht sich als eine im Bekenntnis geeinte Kirche mit eigenen Organen (Synode, Kirchenleitung und Bischofskonferenz). Sie repräsentiert die Gemeinschaft der lutherischen Kirchen und pflegt das Erbe der lutherischen Tradition. Die UEK dagegen ist der Dachverband derjenigen evangelischen Landeskirchen, die die Differenzen zwischen lutherischer und reformierter Bekenntnistradition durch einen Verfassungs- oder Verwaltungskonsens überwunden haben. Die UEK verfolgt kirchenpolitisch das Ziel, die definitorische Ausgestaltung der EKD zu fördern, so dass sie von allen als Kirche im Vollsinn verstanden werden kann. Dies ist bislang nicht der Fall, weil die EKD keine Bekenntnisgrundlage hat. Kürzlich ist das theologische Bemühen gescheitert, das Augsburgische Bekenntnis von 1530 als Einheitsbekenntnis der EKD zu erklären. Die Vorgabe, sich sofort aufzulösen, wenn die EKD als Kirche verstanden werden kann, gehört zum Selbstverständnis der UEK.

Im Nordkirchenhorizont ist zudem bedeutsam, dass die UEK sich als „Gemeinschaft von Landeskirchen“ versteht. Damit ist ein Eckpunkt der Kontroverse um die Zugehörigkeit der zukünftigen Nordkirche markiert: Die UEK lehnt eine etwaige Mitgliedschaft eines späteren Kirchenkreises Pommern ab. Der andere Eckpunkt ist mit der Position der VELKD verbunden, eine Doppelmitgliedschaft der Nordkirche in beiden Bünden nicht zuzulassen. So wie die NEK und die ELLM sich in der VELKD beheimatet wissen, so ist der PEK die bleibende Verbundenheit mit der UEK wichtig. Diese Kirchenfamilie hat ihr gerade in den Jahrzehnten der Existenz der DDR Schutz und Halt geboten.

Spitzengespräche zwischen allen Beteiligten haben jüngst zu dem Vorschlag geführt, dass die neue Kirche Mitgliedskirche der VELKD wird, aber gleichzeitig als ganze Kirche eine ausgestaltete Gastmitgliedschaft in der UEK wahrnimmt. Dies scheint auch vor dem Hintergrund verantwortbar, dass die PEK eine Kirche lutherischen Bekenntnisses ist und dem Lutherischen Weltbund angehört.

Dr. Michael Ahme