Die Nordkirche vereinigt einige der schönsten Landstriche Deutschlands

Kiel/Schwerin (epd). Wer die Nordkirche an ihrer längsten Strecke mit dem Auto durchquert, muss mindestens sechs Stunden einkalkulieren. Rund 600 Kilometer lang ist die Strecke von der evangelischen Kirche im dänischen Hadersleben bis nach Gartz in der brandenburgischen Uckermark. Und sie führt durch die schönsten Urlaubsregionen Deutschlands. Nur eine Schifffahrt vom "Roten Felsen" auf Helgoland zu den "Kreidefelsen" auf Rügen ist noch schöner - und dauert noch länger.

Vier Gemeinden im südlichen Dänemark zählen zur nordelbischen Kirche. In Hadersleben, Apenrade, Sonderburg und Tondern haben evangelische Christen der deutschen Minderheit ihre kirchliche Heimat. Im Gegenzug hat die dänische Kirche rund zwei Dutzend Pfarrstellen im nördlichen Schleswig-Holstein für die dänische Minderheit.

Die meisten Inselpastoren der neuen Nordkirche hat der Kirchenkreis Nordfriesland. Er gilt als flächenmäßig größter Kirchenkreis Nordelbiens - allerdings nur bei Ebbe. Im Süden schließen sich die Dithmarscher an, die mit den Friesen seit Jahrhunderten eine tiefe gegenseitige Abneigung verbindet. Sowohl Föhr (Nordfriesland) als auch Meldorf (Dithmarschen) haben einen Dom, obwohl dort nie ein Bischof residierte. Einzige Bischofsresidenz an der Westküste war Schwabstedt: Im 17. Jahrhundert floh der damalige Schleswiger Bischof Ulrich aus Furcht vor seinen Mitchristen dorthin.

Zahlenmäßig größter Kirchenkreis der Nordkirche ist Hamburg-Ost. Der Kirchenkreis mit dem etwas nüchternen Namen beherbergt Sakralgebäude wie den Michel oder die Citykirchen St. Petri, St. Jacobi und St. Katharinen. Sieben Pröpste sind hier zuständig für 260 Pastoren, 160 Kirchen und 3.200 Mitarbeiter. Mit rund 500.000 Christen ist Hamburg-Ost größer als ganze Landeskirchen wie Oldenburg oder Mecklenburg.

Nahtstelle zwischen Ost und West ist der Ratzeburger Dom, der seit 1554 zu Mecklenburg gehört. In der Nachkriegszeit wurde der Dom durch die DDR-Grenze von seiner Landeskirche abgeschnitten. Die Gemeinde blieb zwar mecklenburgisch, wurde aber vom Westen aus verwaltet. Umgeben ist der Ratzeburger Dom von Stadt- und Dorfkirchen des nordelbischen Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg. Nach der Wende einigten sich beide Landeskirchen, dass der Dom mecklenburgisch bleiben soll, Nordelbien aber einen Großteil der Gemeindekosten trägt.

Geistliches Zentrum der neuen Nordkirche wird Schwerin. Die schmucke Residenzstadt ist mit 96.000 Einwohnern die kleinste Landeshauptstadt Deutschlands und nach Hamburg, Kiel, Lübeck und Rostock die fünftgrößte Stadt der Nordkirche. Hier soll der noch zu wählende Landesbischof oder die Landesbischöfin residieren und möglichst oft im Dom predigen.

Geprägt ist der neue Kirchenkreis Mecklenburg von seinen vielen Seen. Rund 2.000 sollen es je nach Zählweise sein. Größter See ist die Müritz mit 117 Quadratkilometer Fläche und einer Tiefe von bis zu 31 Metern, vier Mal so groß wie der Plöner See und 70 Mal so groß wie die Hamburger Außenalster. Durch Gemeinden wie Fürstenberg, Porep oder Neu-Redlin gehört auch ein kleines Stück Brandenburg zum Kirchenkreis Mecklenburg.

Die Kleinstadt Ribnitz-Damgarten zwischen Rostock und Stralsund wird auch in der Nordkirche kirchlich geteilt bleiben. Während die St. Marienkirche in Ribnitz zu Mecklenburg zählt, ist die benachbarte St. Bartholomäuskirche in Damgarten Teil von Pommern. Der Unterlauf der Recknitz wird auch weiterhin die Mecklenburger von den pommerschen Christen trennen.

Größte Insel im Norden ist Rügen. Nordöstlichster Zipfel der Nordkirche ist die kleine Touristenkapelle Vitt der Kirchengemeinde Altenkirchen. Hier wurde bereits die gemeinsame Nordkirche praktiziert, denn bereits im Jahr 2000 wurde Altenkirchen vom schleswig-holsteinischen Pastor Andreas Rüß geleitet.

Besonders einsam und idyllisch wird es im Südosten der neuen Nordkirche. Mit 45 Einwohnern auf einem Quadratkilometer ist der Landkreis Uecker-Randow halb so dicht bevölkert wie der auch schon recht dünn besiedelte Westküsten-Kreis Dithmarschen.

Den evangelischen Christen die Nordkirche als neue geistliche Heimat nahezubringen, dürfte im südöstlichen Zipfel besonders schwierig sein. Das Oder-Dorf Gartz etwa gehört zum Bundesland Brandenburg. Nach Berlin sind es knapp 140, bis in die Kirchenverwaltung nach Kiel rund 450 Kilometer. Recht hoch ist hier der Katholiken-Anteil: Seit Polen Mitglied der EU ist, sind viele Polen von Szczecin (Stettin) in die vergleichsweise günstigen deutschen Grenzdörfer gezogen. (28.10.2010)

Von Thomas Morell (epd)

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