Christen auf dem Weg zur Fusion

Bibeltext an der Wand eines Gästezimmers im Bildungshaus. Foto: Neumann

 

Ludwigslust (svz). Mit der geplanten Fusion der drei evangelischen Landeskirchen im Norden gehen erstmalig Kirchen aus West- und Ostdeutschland zusammen. Dabei treffen Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen aufeinander. Das Kirchliche Bildungshaus Ludwigslust auf dem Gelände des Stifts Bethlehem bietet eine Plattform für Gedankenaustausch und Diskussion: Hier werden ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiter fort- und ausgebildet.

 

15 ehrenamtliche Gemeindemitarbeiterinnen aus Mecklenburg, Vorpommern und Nordelbien absolvieren gegenwärtig gemeinsam einen Kurs "Familien und Kindern in der Kirche ein Zuhause geben". "Die Menschen in den einzelnen Regionen sind ganz unterschiedlich groß geworden", sagt Teilnehmerin Anke Sahlmann, die in einer Gemeinde im Raum Hamburg tätig ist. "Zum Beispiel ist das Wort Christenlehre im Westen völlig unbekannt."

 

Ein Aspekt ist auch die atheistische Gesellschaftsausprägung in der ehemaligen DDR im Gegensatz zur traditionellen Vermittlung von christlichen Grundwerten im Westen. "Wobei dies bei den Kindern eigentlich nicht mehr eine Rolle spielt", schränkt Anja Basch aus Bad Doberan ein. "Das Problem sind die Eltern." Diese stünden der christlichen Botschaft oft gleichgültig oder gar ablehnend gegenüber. Das äußere sich schon darin, dass 14-Jährige nicht einmal das Wort Religion kennen würden. Aha-Effekte erzeugen, sich auf außergewöhnlichen Wegen mit dem Christsein auseinanderzusetzen, das ist für Sylvia Zander aus dem vorpommerschen Putbus ein wichtiger Schritt. Die Teilnehmer des Seminars haben so wichtige gemeinsame Erfahrungen gesammelt, dass solche Kurse künftig alle zwei Jahre angeboten werden sollen, wie Cornelia Mikolajczyk, Studienleiterin am Theologisch-Pädagogischen Institut des Kirchlichen Bildungshauses, ankündigt.

 

Einhergehend mit der Kirchenfusion erfolgen auch seit längerem der Zusammenschluss bzw. die Kooperation von Kirchgemeinden. Eine Herausforderung, der sich die Pastoren stellen müssen und die in der Vikariatsausbildung im Predigerseminar des Bildungshauses ihren Ausdruck findet. Hier begegnen sich künftige Pastorengenerationen, so Hubertus Hotze. Der Pastor ist Rektor des Predigerseminars. Es müsse deutlich werden, was für die Gemeinden aus der Kirchenfusion "rüber kommt", nennt er einen Anspruch.

 

Christian Lange ist Vikar in Sanitz bei Rostock und wird in Ludwigslust ausgebildet. Er berichtet von gemeinsamen Begegnungen von künftigen Pastoren aus den drei Kirchen, die nicht nur im Ausbildungsplan "verordnet", sondern auch aus Eigeninitiative gesucht werden.

Von Uwe Köhnke

Mit freundlicher Genehmigung von: Schweriner Volkszeitung

Ausgabe vom 9.3.2010