Nordelbische Synode: Kritik an der geplanten "Nordkirche"
Rendsburg (epd). Der geplante Zusammenschluss zur "Nordkirche" ist von Mitgliedern der nordelbischen Synode zum Teil heftig kritisiert worden.
Vor allem der Umzug des Kirchenamtes von Kiel nach Lübeck wurde am Freitag aus Kostengründen abgelehnt. Im parallel tagenden Kirchenparlament von Mecklenburg wurde dagegen von Synodalen ein Umzug des Landesbischofs nach Schwerin gefordert. Beschlüsse zur "Nordkirche" werden die drei Synoden von Nordelbien, Mecklenburg und Pommern auf parallelen Sitzungen erst im März 2009 fassen. Die Debatte in Rendsburg soll am Sonnabend fortgeführt werden.
Die Synodale Annette Kinder nannte den geplanten Umzug des Kirchenamtes einen "teuren, symbolischen Akt ohne jeden Nutzen". Mit Hilfe neuer Techniken sei es heutzutage möglich, dass eine Verwaltung an verschiedenen Ort arbeiten könne. Der pommersche Synodenpräsident Rainer Dally hielt dagegen, dass die "Nordkirche" auch Symbole brauche, wenn sie denn sinnvoll seien. Es sei für Pommern ein Gewinn, wenn der Weg zum Kirchenamt 60 Kilometer kürzer sei.
Unklar sind nach wie vor die Kosten für den Umzug. Die Synodale Ulrike Hoffmann, Mitglied des Finanzausschusses, nannte eine Summe von 20 Millionen Euro. Angesichts der üblichen Kostensteigerungen würden es am Ende vermutlich einige Millionen Euro mehr sein. Claus Möller, Vorsitzender des Finanzausschusses und ehemaliger SPD-Finanzminister, lehnte Spekulationen über die Umzugskosten ab. Es sei noch völlig offen, ob ein Kirchenamtsgebäude in Lübeck gekauft oder gemietet werde.
Nach den bisherigen Beschlüssen, so Möller, werde die "Nordkirche" das Finanzgesetz und das Verwaltungsgesetz von Nordelbien übernehmen. Da seien Kompromisse beim Standort notwendig. Es sei zudem auch durchaus denkbar, dass einige Abteilungen in Kiel bleiben können. Der Synodale Andreas Schnapauff forderte, die Standorte für Kirchenamt, Synode und Landesbischof auf Kiel, Schwerin und Hamburg zu verteilen.
Nach einer Modellrechnung müssen die nordelbischen Kirchenkreise in einer "Nordkirche" auf 4,7 Prozent ihrer Einnahmen verzichten. Finanzdezernent Wichard von Heyden kündigte an, dass alle Kirchenkreise gleichermaßen davon betroffen sein sollen. Die ursprüngliche Rechnung, dass Nordfriesland und Hamburg-Ost überdurchschnittliche Verluste zu tragen hätten, solle aufgegeben werden. Mecklenburg würde danach 30,0 Prozent und Pommern 28,1 Prozent mehr Geld erhalten.
Die Lübecker Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter warb für die "Nordkirche". Damit könne etwa der Jugendaustausch, der Dialog mit Konfessionslosen und die Urlauberseelsorge gefördert werden. Neue Gottesdienstformen mit Laienpredigern könnten "kleine und kleinste Gemeinden" wieder beleben.
Sollten die drei Kirchen im März der Fusion zustimmen, werden eine "Verfassungsgebende Synode" und eine "Gemeinsame Kirchenleitung" gebildet. Einer endgültigen Gründung müssen die Kirchenparlamentarier aller drei Kirchen jeweils mit Zwei-Drittel-Mehrheit zustimmen. Die neue Kirche könnte frühestens zum Jahresanfang 2012 gegründet werden. (20.9.2008)



