Nordelbische Synode hat zäh um "Ja" zur Nordkirche gerungen
Rendsburg (epd). Die Synode der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche ist ihrem Ruf innerhalb des deutschen Protestantismus gerecht geworden. Die 140 Kirchenparlamentarier aus Schleswig-Holstein und Hamburg gelten als äußerst diskussionsfreudig, gehen zähen Debatten und Konflikten nie aus dem Weg. So auch beim Thema Nordkirche, der ersten Fusion evangelischer Landeskirchen in Ost- und Westdeutschland. Sie ist am Sonnabend perfekt gemacht worden.
Die Erleichterung war dem Vorsitzenden der Kirchenleitung und Schleswiger Bischof Gerhard Ulrich anzusehen, als der stellvertretende Synodenpräsident Thomas Baum das Ergebnis im Rendsburger Christopherushaus verkündete. Die Abstimmung in den drei Synoden der nordelbischen, mecklenburgischen und pommerschen Kirchen erfolgte am Sonnabendmittag zeitgleich an den drei Tagungsorten Rendsburg, Plau am See und Züssow.
Die nordelbische Synode votierte mit 102 Ja- und 26 Nein-Stimmen für den Vertrag, in Mecklenburg gab es 39 Ja- und 17 Nein-Stimmen, in Pommern 44 Ja- und 13 Nein-Stimmen bei einer Enthaltung. "Jetzt muss eine neue Gemeinschaft wachsen", sagte Ulrich. Er weiß, dass noch viel Arbeit und weiteres Ringen auf die Verantwortlichen wartet, bis 2012 die Fusion besiegelt werden kann. Da hatte ihm seine Synode eine Kostprobe mit auf den Weg gegeben.
Er habe in der letzten Nacht kaum geschlafen, so aufgewühlt und angespannt sei er gewesen, verriet Ulrich am Sonnabend. Am Freitagabend hatten die Kirchenparlamentarier zwar das Zustimmungsgesetz zum Fusionsvertrag in erster Lesung passieren lassen. In geheimer Abstimmung votierten von den anwesenden 131 Synodalen 77 mit "Ja". Mit "Nein" stimmten 51 Synodale, als Enthaltung wurden drei Stimmen gezählt. Aber fest stand zu diesem Zeitpunkt auch: Das reicht nicht für die in zweiter Lesung erforderliche Zweidritttel-Mehrheit.
Zankapfel war neben den Standortfragen insbesondere das Arbeitsrecht, für das es im Fusionsvertrag noch keine einheitliche Lösung für alle angestellten Mitarbeiter in der künftigen Nordkirche gibt. Klar ist, dass die nordelbischen Arbeitnehmer auch für ihre östlichen Kollegen in Tarifverhandlungen die Gewerkschaften mit am Tisch haben wollen. Das ist derzeit nicht der Fall. Der Fusionsvertrag schreibt auch nur den jetzigen Zustand zwei verschiedener Wege für die nächsten Jahre fest.
Sie könne den Verantwortlichen in den östlichen Schwesterkirchen kein Vertrauen schenken, rief die Synodale und Verdi-Gewerkschafterin Susanne Kröger in den Saal. Ulrichs Reaktion am Sonnabendmorgen war deutlich. "Wir haben das Votum der Mitarbeiter verstanden. Das war ein Dämpfer für die Kirchenleitung." Er versprach, sich in den weiteren Verhandlungen auf dem Weg zur Nordkirche dafür einzusetzen, dass mittelfristig alle Mitarbeiter den sogenannten "zweiten Weg" gehen dürfen, also Tarifverhandlungen mit Gewerkschaften in der Nordkirche die Regel werden.
Dies allein aber hat den Stimmungsumschwung noch nicht gesichert. Es war wohl eher die Überlegung bei vielen Synodalen, dass ein Nein zum Fusionsvertrag ein "Aus" für den Zusammenschluss insgesamt gewesen wäre und die Chance für eine Nordkirche nicht mehr wiederkommen würde. "Lassen Sie uns den weiten Raum betreten, den Gott für uns bereit hält", rief Ulrich in den Saal. Nordelbiens Kirchenparlamentarier konnten und wollten da nicht mehr Nein sagen.
Von Hartmut Schulz (epd)
(28.3.2009)



