Synode diskutiert heftig über offiziellen Namen der Nordkirche

Lübeck/Schwerin (epd). Der vorgesehene Name für die künftige Nordkirche ist bei der konstituierenden Sitzung der Verfassunggebenden Synode auf vernehmbaren Widerspruch gestoßen.

Der Vorschlag "Evangelische Kirche im Norden" müsse durch den Zusatz "lutherische" ergänzt werden, forderten mehrere Kirchenparlamentarier am Sonnabend in Lübeck-Travemünde. Auch die Formulierung "im Norden" stieß auf Kritik. Wann die Entscheidung über den Namen fällt, ist noch offen. Einigkeit herrschte aber darüber, dass sich umgangssprachlich der Name "Nordkirche" durchsetzen wird.

Die mecklenburgische, nordelbische und pommersche Kirche wollen sich Pfingsten 2012 zur Nordkirche mit 2,4 Millionen Mitgliedern zusammenschließen. Es wäre die fünfgrößte evangelische Landeskirche in Deutschland.

Mit dem Namen "Evangelische Kirche im Norden" würden andere evangelische Kirchen wie Reformierte, Methodisten und Freikirchen ungefragt vereinnahmt, sagte der Synodale Wilfried Hartmann aus Hamburg. Pastorin Katrin Gelder aus Preetz bei Kiel befürchtete, dass sich mit dem verkürzten Namen der lutherische Charakter in der Kirche "verdünnisiert".

Die Ortsangabe "im Norden" sei provinziell und irritierend, kritisierte der Segeberger Propst Klaus Kasch. Die Kirche liege ja nicht in Skandinavien. Stattdessen müsse es korrekt heißen "in Norddeutschland". Die Namensgebung sei vor allem ein Problem der Pastoren, beklagte Sven Radestock aus Neumünster. Die Menschen auf der Straße würden allenfalls noch zwischen evangelisch und katholisch unterscheiden.

Mit erheblicher Verspätung hatte die Verfassunggebende Synode die Debatte über die geplante Verfassung am Sonnabend eröffnet. Der für Freitag geplante Diskussionsbeginn musste verschoben werden, weil sich die Synodalen bis in die Nacht hinein mit Wahlen, Regularien und Grußworten befasst hatten.

Ziel der Fusion zur Nordkirche sei es, die Leitungsebene zu bündeln, um die Kräfte für die kirchliche Arbeit vor Ort zu stärken, sagte der nordelbische Bischof Gerhard Ulrich in seinem Einführungsbericht. Mit dem Zusammenschluss von einer westlichen und zwei östlichen Kirchen wolle die Nordkirche auch einen Beitrag zur
Stärkung der inneren Einheit in Deutschland leisten.

Es wäre aber ein großer Trugschluss zu glauben, mit ihrer Gründung Pfingsten 2012 beginne eine "Phase anhaltender Harmonie", warnte Ulrich. So werde die Nordkirche etwa bei der Besoldung und im Arbeitsrecht in den ersten Jahren mit Unterschieden leben müssen.

Am Sonntag will die Synode die Verfassung zur Beratung in den Gemeinden, Kirchenkreisen und Initiativen weiterleiten. Der Verfassungstext soll dann mit Änderungswünschen ergänzt werden und bis zum Sommer diskutiert werden. (30.10.2010)

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