Lübeck als echter Neuanfang für die "Nordkirche"
Lübeck (epd). Mit Lübeck als Zentrum der geplanten Nordkirche haben sich die drei Landeskirchen Nordelbien, Mecklenburg und Pommern zu einem echten Neuanfang durchgerungen.
Für kirchliche Verhältnisse machen die Kirchenleitungen damit einen ungewöhnlich harten Schnitt. Leidtragende sind vor allem die rund 150 Mitarbeiter im Kieler Kirchenamt, die sich jetzt neue Wohnungen oder neue Jobs suchen müssen.
"Verhandlungen auf Augenhöhe" war von Beginn an das Motto der Lübecker Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter, Leiterin der Steuerungsgruppe. Schließlich kommen in der neuen Nordkirche drei ungleiche Partner zusammen. In Nordelbien leben rund 2,3 Millionen Protestanten, in Mecklenburg 200.000 und in Pommern 100.000. So ist etwa der neue Kirchenkreis Hamburg-Ost fast doppelt so groß wie die neuen Kirchenkreise Mecklenburg und Pommern zusammen.
Im Herbst sollen die drei Synoden (Kirchenparlamente) über den Fusionsvertrag abstimmen. Der Sitz von Kirchenamt und dem Leitenden Bischof gilt dabei als einer der heiklen Knackpunkte. Lübeck, Kiel, Hamburg und Schwerin waren als mögliche Standorte ausgewählt worden. Moderator war der bayerische Bischof Johannes Friedrich.
Am naheliegendsten galt anfangs, das künftige Kirchenamt in Kiel zu belassen. Daneben sollten etwa im Bauwesen Außenstellen eingerichtet werden. Da die Kieler Mitarbeiter besonders intensiv mit der Vorbereitung der Fusion belastet sind, sollten sie nicht durch einen drohenden Umzug demotiviert werden. Während Schwerin mit Subventionen der Landesregierung punkten konnte, galt Außenseiter Hamburg bis zum Schluss als möglicher Kompromiss.
Mit Lübeck als neues Zentrum werde ein "symbolisches Zeichen" für die neue Nordkirche gesetzt, heißt in der gemeinsamen Erklärung der drei Landeskirchen. Überzeugen konnte die Trave-Stadt vor allem mit ihrer Lage als ehemalige deutsch-deutsche Grenzstadt und dem regen geistlichen Leben. Dabei war der Lübecker Bischofssitz gerade abgeschafft worden. Im Zuge der Bischofsreform sollte Kiel Sitz des neuen Landesbischofs werden. Wartenberg-Potter wäre mit Eintritt in den Ruhestand Ende September Lübecks letzte Bischöfin gewesen. Der Lübecker Dom sollte nach diesem Modell allerdings Predigtstätte des Kieler Landesbischofs werden.
Lange vor der Entscheidung hatten die Mitarbeiter im Kieler Kirchenamt den Kampf um ihre Arbeitsplätze aufgenommen. Zwar sei Lübeck der geografische Mittelpunkt der "Nordkirche", Mitte der Kirchenmitglieder sei jedoch Kiel, wurde argumentiert. In Zeiten moderner Kommunikation, kritisierte auch Kiels Oberbürgermeisterin Angelika Volquartz (CDU), dürften 70 Straßenkilometer nicht den Ausschlag für eine Entscheidung geben, die bewährte Strukturen zerstört. Abgesehen davon wird die Verbindung zwischen Lübeck und Kiel durch Autobahn-Bau und Schienen-Sanierung demnächst merklich verbessert.
Die Entscheidung habe Trauer, Wut und Verzweiflung ausgelöst, sagte Mitarbeitervertreterin Elisabeth Most- Werbeck. Von regelrechten Schockreaktionen berichtete sie am Montag. Großzügige Übergangsregelungen, so heißt es in der Erklärung der Kirchenleitungen, sollen die Belastungen der Mitarbeitenden abmildern.
Thomas Morell



