Diskussion ohne Emotion – Pommersche Synode beriet über Nordkirche
Züssow (rn). Die Pommersche Landessynode hat am Sonnabend über die Fusion mit Mecklenburg und Nordelbien beraten. Es war eine Diskussion ohne Emotion und es scheint, als würden grundsätzliche Fragen die pommerschen Synodalen nicht mehr umtreiben, ist doch vorgesehen, den Sitz des Sprengelbischofs nach Greifswald zu legen und dem künftigen Kirchenkreis Pommern eine starke Selbständigkeit zu geben.
Kritisch angefragt wurde eine mehrfach vorkommende Wendung im Entwurf des Fusionsvertrages, nach der die Regelung Nordelbiens übernommen werde. So fragte der Synodale Thomas von Woedtke, ob dies nicht den Eindruck mache, daß die nordelbische Kirche sich einfach um die östlichen Landeskirchen erweitere. Konsistorialpräsident Peter von Loeper führte dazu aus, daß es schon „eine gewisse Schwerkraft angesichts der Größe der Kirchen“ gäbe. Eine wichtige Frage sei, wie viele eine Veränderung betreffe. So sei es richtig, daß man auf der Folie des Finanzsystems der nordelbischen Kirche arbeite, aber „das kommt aus der föderalen Struktur der nordelbischen Kirche, die aus fünf Kirchen entstanden ist,“ sagte von Loeper und das komme uns entgegen.
Einen Gesprächsgang gab es um das Subsidiaritätsprinzip nach dem das auf der lokalen Ebene erledigt werden soll, was dort gemacht werden kann. Einigen kam dieser Grundsatz zuwenig im Vertrag vor, obwohl – so wurde hingewiesen – er als Grundsatz aufgeführt werde. Prof. Steffen Fleßa fragte dann kritisch, daß nicht nur dieses Prinzip gelten solle, sondern daß ein weiteres Kriterium dafür die Effizienz der Arbeit hinzukommen müsse.
Der Vorsitzende des synodalen Finanzausschusses, der Beggerower Pfarrer Ralf Ott fragte an, ob angesichts der großen Flächen „eine vierstufige Struktur nicht angemessener sei.“ Auch vermißte er eine grundsätzliche Begründung der Nordkirche: „Was ist Ziel und Zweck des Ganzen? Den Menschen muß klar werden, warum wir eine große Nordkirche bilden.“
Der Lassaner Pfarrer Philip Graffam begrüßte das Votum, daß „Barmen“ auch mit der Jahreszahl 1934 im Vertrag aufgenommen wird. Die Tatsache, daß im Jahr 1934 die Bekenntnissynode von Wuppertal-Barmen einen Bekenntnistext gegen den Nationalsozialismus beschlossen habe, sei wichtig bei den jetzigen Aktionen gegen den Rechtsradikalismus.
In diesem Zusammenhang kritisierte der Greifswalder Kirchenhistoriker Prof. Martin Onnasch, daß im Vertrag stehe, daß man sich „der Tradition“ der Barmer Theologischen Erklärung verpflichtet fühle. Onnasch wies darauf hin, daß in der evangelischen Kirche Bekenntnisse zählten und nicht die Tradition. Er wies auch daraufhin, daß die mecklenburgische Landeskirche „Barmen“ ausdrücklich nicht als Bekenntnis anerkenne. Der Greifswalder Superintendent Ulrich Tetzlaff verwies in seinem Beitrag auf die Pommersche Kirchenordnung, wo auf „Barmen“ als beispielhaftes Bekenntnis verwiesen werde.
In einem letzten Gesprächsgang kritisierte Martin Onnasch die Wendung vom „Priestertum aller getauften Glaubenden“. Dies sei „eine ungewöhnliche Begrifflichkeit.“ Richtig sei, daß man von „allen getauften Gläubigen“ sprechen solle. Alle Getauften seien zum allgemeinen Priestertum berufen. Daher solle man bis zur endgültigen Vorlage des Fusionsvertrages diese Frage klären.
Und dann gab es Zeit. Viel Zeit ließ sich Vizepräses Elke König nach der Frage, ob es noch Wortmeldungen gäbe. Es gab – bis auf eine Verständnisfrage – keine Beiträge zur Nordkirche mehr.
Dr. Thomas von Woedkte, ein deutlicher Kritiker der Fusion, sagte anerkennend: "Ich war skeptisch dem Prozeß gegenüber. Aber es ist beachtlich, daß dieses Papier vorliegt und erstaunlich, daß es so zustande gekommen ist. Das kann einen fast hoffnungsvoll stimmen."
Also: Eine kurze Diskussion ohne Emotion.
Die Synode wurde mit Ausschußberatungen fortgesetzt. Eine Beschlußfassung zur Nordkirche wird am Sonntag erfolgen. (18.10.2008)



