Nordkirche gibt gutes Beispiel für Miteinander von Ost und West
Nordkirche gibt gutes Beispiel für Miteinander von Ost und West
Schwerin (epd). Der evangelische Landesbischof in Mecklenburg, Andreas von Maltzahn, hat den Anspruch der Nordkirche bekräftigt, "es im Miteinander von Ost und West besser zu machen als im Prozess der deutschen Wiedervereinigung". Besonderen Symbolwert habe dabei die Entscheidung, Schwerin zum Sitz des gemeinsamen Landesbischofs für die Nordkirche zu machen, sagte Maltzahn am Donnerstag dem epd in Schwerin.
Mit dieser Entscheidung hätten die drei beteiligten Kirchen geschafft, "was den drei Nordstaaten bislang nicht gelang", nämlich den Hauptsitz einer gemeinsamen Einrichtung in Mecklenburg-Vorpommern anzusiedeln. Dabei könne er gut damit leben, dass der Landesbischof seine feste Predigtstätte nicht nur im Schweriner Dom, sondern auch im Lübecker Dom haben soll.
Im Ostseebad Travemünde werden ab Freitag 266 Kirchenparlamentarier aus Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern zusammenkommen, um bis Sonntag die neue Verfassung der für 2012 geplanten "Evangelischen Kirche im Norden" zu beraten.
Durch die gemeinsame Nordkirche würden zusätzliche Ressourcen für die Arbeit an der Basis gewonnen, sagte Maltzahn weiter. Ihre unterschiedlichen Prägungen bedeuteten eine Bereicherung für die drei beteiligten Kirchen. Die Partner müssten den Prozess weiter fair gestalten. Dies werde besonders wichtig sein, wenn sich mit Entstehung der Nordkirche die unterschiedlichen Größenverhältnisse beispielsweise in entsprechenden synodalen Mehrheitsverhältnissen niederschlagen.
Zu den Neuerungen der Nordkirche gehöre zudem, dass sie besonders auf ehrenamtliche Mitarbeiter setze. Ihnen werde in den Leitungen der Gemeinden, der Kirchenkreise und der Landeskirche immer die Mehrheit eingeräumt. Als wichtigen inhaltlichen Akzent nannte der Bischof die Aufnahme der Barmer Theologischen Erklärung in die Bekenntnisgrundlagen. Außerdem wende sich die neue Verfassung gegen jede Form des Antijudaismus, "indem sie Gottes bleibende Treue zu seinem Volk Israel bezeugt".
Die Mecklenburger hätten nach ihrem Vorbild eine Kirchengemeindeordnung vorgeschlagen, die Nordelbien so nicht kenne. Der Entwurf einer Kirchengemeindeordnung liege im Einführungsgesetz vor. Zudem bringe Mecklenburg seine guten Erfahrungen mit Propsteien ein. So soll es in der Nordkirche möglich sein, Regionalverbände zu bilden, die eine intensive Zusammenarbeit zwischen Gemeinden ermöglichen.
Im Finanzgesetz soll es dem Landesbischof zufolge zudem für den künftigen Kirchenkreis Mecklenburg eine besondere Regelung geben, nach der die Finanzzuweisung an die Kirchengemeinden im solidarischen Sinn nach einer zentralen Stellenplanung erfolgt. Das sichere die kirchliche Arbeit auch in dünn besiedelten Regionen.
Die evangelischen Kirchen in Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Schleswig-Holstein wollen sich bis Pfingsten 2012 zu einer "Evangelischen Kirche im Norden" zusammenschließen. Mit rund 2,4 Millionen Mitgliedern wäre die Nordkirche die fünftgrößte der deutschen Landeskirchen. Innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) wäre es der dritte Zusammenschluss innerhalb weniger Jahre und der erste, an dem sich ost- und westdeutsche Kirchen beteiligen.
In ihrer Struktur wäre die Nordkirche sehr unterschiedlich geprägt. So gehören in Nordelbien über 2,1 Millionen Menschen, in Mecklenburg nur 196.000 und in Pommern 96.000 der evangelischen Kirche an. Unter Berücksichtigung der Fläche würde das bedeuten, dass nahezu zwei Drittel des Kirchengebiets von lediglich zwölf Prozent der Mitglieder bevölkert wird. (29.10.2010)
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