Nordelbische Pastorenvertretung: Klares "Nein" zur Nordkirche
Kiel/Hamburg (epd). Die nordelbische Pastorenvertretung hat sich vehement gegen die geplante Nordkirche ausgesprochen. Sie sei "ein Modell von oben" und zudem "von betriebswirtschaftlichen Motiven" geleitet, "für die wir keine theologischen Grundlagen kennen", heißt es in einer Stellungnahme an die Kirchenleitung, die dem epd vorliegt.
Die Pastorenvertretung repräsentiert rund 1.400 aktive Pastorinnen und Pastoren sowie alle Ruhestandsgeistlichen in Nordelbien. Der Vorstand hat sieben Mitglieder, langjähriger Vorsitzender ist Pastor Herbert Jeute (55) aus dem Kirchenkreis Süderdithmarschen. Die ablehnende Position wolle die Pastorenvertretung auch auf der Synode Ende März "einbringen und begründen", sagte Jeute dem epd am Freitag.
Die Kirchenleitung bedauerte das pauschal ablehnende Votum der Pastorenvertretung. Laut Kirchensprecher Norbert Radzanowski habe die Meinung der Pastorenschaft durchaus Eingang in die Stellungnahmen der Kirchenkreise gefunden. Diese hätten sich aber mehrheitlich für die Fusion ausgesprochen.
Die Kirchenleitung habe die Stellungnahme der Pastorenvertretung "sehr aufmerksam gelesen und in Einzelpunkten differenziert beraten". Die Ergebnisse würden in die bis zum 5. Februar anberaumten Sitzungen der drei Kirchenleitungen einfließen, in denen insbesondere das Tarifrecht, die Pastorenbesoldung und die Standortfrage mit den Partnerkirchen geklärt werden sollen.
Demgegenüber heißt es in dem Papier der Pastorenschaft, die Nordkirche führe "zu erheblichen Investitionskosten und unübersehbaren Folgekosten". Dazu gehöre auch "das Großprojekt eines Verwaltungsneubaus in Lübeck oder anderswo". Die "oberflächliche Vermischung von Theologie, Moral und Besoldungsrecht führt zu Ungerechtigkeit und schädigt die Motivation der Pfarrerschaft".
Die Diskussionen der vergangenen Monate hätten gezeigt, dass sich das Amts- und Gemeindeverständnis besonders in der mecklenburgischen Landeskirche deutlich von dem der nordelbischen Kirche unterscheide. Diese gewachsenen Identitäten zu schnell "von oben" zu vereinen, werde zu Konflikten und Verbitterungen führen, die der Kirche schaden.
"Wir befürchten, dass wichtige Identitäten der volkskirchlichen Mitglieder in Norddeutschland aufgegeben werden", sagte Jeute. Besonders für Nordelbien mit seinen vielen Reformprozessen sei die Bildung einer neuen Landeskirche schwierig und könne "nicht zur Mitgliederfestigung dienen".
Rückmeldungen aus der Pastorenschaft signalisierten deutlich, dass im Blick auf die Nordkirche "nichts langsam zusammenwächst", sondern dass die Kirche im Norden "als von oben geplant und mit massivem Druck durchgesetzt" erlebt wird. Jeute: "Uns fehlen gemeinschaftsstiftende theologische Begründungen und Visionen einer neuen Kirche, die mehr sind als nur 'groß' oder 'zum ersten Mal Ost und West'."
Nach Angaben der nordelbischen Pressestelle soll der Entwurf des Fusionsvertrages von den drei Kirchenleitungen in Nordelbien, Mecklenburg und Pommern bereits am 5. Februar unterzeichnet werden. Ende März könnte er von den gleichzeitig tagenden Synoden der drei Landeskirchen in Kraft gesetzt werden. Nach derzeitigen Planungen könnte die Fusion am 1. Januar 2012 in Kraft treten. Die Nordkirche hätte insgesamt rund 2,4 Millionen Kirchenmitglieder. (24.1.2009)



