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Rendsburger „Kommunikationsveranstaltung“ zur Nordkirche

 

Im Rendsburger Christophorushaus. Fotos: Neumann
Anmeldung im Foyer
Bischof Hans-Christian Knuth
Gesprächsrunde auf der Terrasse
Auswertungsgespräch
OKR Prof. Dr. Peter Unruh und Heiko Naß, Referent der Kirchenleitung
Sup. Tetzlaff (Pommern) und OKR Gothart Magaard (Nordelbien)
Gespräch im Foyer
Der frühere Präsident des Nordelbischen Kirchenamtes, Prof. Dr. Klaus Blaschke (li.) im Gespäch mit den nordelbischen Pressesprecher Norbert Radzanowski
OKR Dr. Michael Ahme lädt zur Weiterarbeit ein
Abschlußrunde zur Auswertung

Rendsburg (rn). Zu einer „Kommunikationsveranstaltung“ zum Thema Nordkirche hatte die nordelbische Kirchenleitung am Donnerstag in das Rendsburger Christophorushaus eingeladen. Wenn sich dazu 80 Personen anmelden und schließlich mehr als 170 Menschen kommen, so zeigt das, daß das Informationsbedürfnis in Nordelbien zum geplanten Zusammenschluß der Kirchen von Mecklenburg, Nordelbien und Pommern hoch ist.

 

Das Bedürfnis nach Information zog sich durch eine Reihe der Beiträge der Veranstaltung. Die Lübecker Bischöfin und Vorsitzende der Steuerungsgruppe berichtete zu Anfang von der Entstehung der geplanten Fusion. Sie erinnerte an den gemeinsamen Kooperationsvertrag aus dem Jahr 2000, an die gescheiterten Gespräche Mecklenburgs und Pommerns zur Fusion und die Situation Anfang 2007, daß sich Pommern vielleicht an Berlin-Brandenburg anschließen könne. In dieser Situation habe die nordelbische Kirchenleitung das Angebot zu Sondierungsgesprächen gemacht. Auf einer gemeinsamen Kirchenleitungssitzung sei dann die Vision einer gemeinsamen Kirche entstanden „als Beitrag des Friedens zur Versöhnung zwischen Ost und West, wenn es denn wahr ist, daß auch die kirchlichen Strukturen ,predigen‘“, sagte Wartenberg-Potter. Sie fragte auch, was denn die Nordelbische Kirche davon habe und anwortete: „Ein Stück Mauer in den Herzen abzubauen und einen historischen Moment nicht zu verpassen. Die Lasten gemeinsam zu schultern und das Bild von der Kirche als Leib mit verschiedenen Gliedern neu zu verstehen – und damit sich selbst besser und neu zu verstehen.“

 

Synodenpräsident Hans-Peter Strenge erläuterte sodann in Grundzügen das Verfahren zur Entstehung der neuen Kirche. Der Schleswiger Bischof Dr. Hans Christian Knuth gab sodann eine Einführung in die theologischen Grundlagen der neuen Kirche.

 

In der ersten Ausspracherunde gab es vor allem Kritik an der Standortentscheidung für das Kirchenamt und den Leitenden Bischof bzw. die Leitende Bischöfin. Die Kirchenleitungen hatten dafür Lübeck vorgeschlagen. Der Propst von Alt Hamburg, Dr. Johann Hinrich Claußen, kritisierte, daß diese Entscheidung „nicht so sehr für einen Standort sondern gegen einen anderen“ gefallen sei und meinte damit Hamburg. Er fragte, ob man sich mit dieser Entscheidung „den Fragen der Gegenwart“ stelle und meinte, daß diese Entscheidung „ein unglücklicher Eilkompromiß“ sei.

 

Pastorin Friederike Schwetasch sagte, daß sie für viele spräche, die den Eindruck hätten, daß „die Basis extrem spät beteiligt“ wird. „Mir schwindelt von all den Ergebnissen und Beschlüssen. Mich besorgt die Geschwindigkeit, mit der die verschiedenen Kulturen zusammengeschweißt“ werden sollten und plädierte für eine deutliche Verlangsamung.

 

Bischöfin Wartenberg-Potter berichtete aus der Sitzung der Kirchenleitungen zur Standortentscheidung, wo man sich gefragt habe, ob das urbane Kirchenverständnis die Identität der neuen Kirche sein könne, „einer Kirche der großen Fläche und der ländlichen Bereiche.“ Sie berichtete auch von den „zwei Schulen“ für den Fusionsvertrag, wo die eine alles möglichst genau regeln wolle und von der anderen, die nur Grundelemente einer neuen Kirche festlegen wolle. Sie betonte ausdrücklich, daß gerade jetzt ein besondere Zeitfenster, ein „kairos“, für die Kirchenneubildung vorhanden sei.

 

In einem zweiten Informationsblock informierte Finanzdezernent Wichard von Heyden über Strukturen und Finanzen. Es sei Konsens, daß die beiden anderen Kirchen die Finanzstruktur der Nordelbischen Kirche „als für sie günstig und entgegenkommend“ betrachtet hätten. Von Heyden sicherte den Kirchenkreisen zu, daß sie nicht mehr als 5% ihrer Einnahmen im Zuge des Fusionsprozesses abgeben müßten.

 

Das Mitglied der nordelbischen Kirchenleitung, Dr. Friedrich August Bonde berichtete sodann über die vorgesehenen Leitungsstrukturen und Margit Semmler über den Bereich der Dienste und Werke, wobei sie zufrieden feststellte, daß das gerade beschlossene Dienste- und Werkegesetz Nordelbiens als Grundlage genommen werden sollte.

 

In der zweiten Fragerunde fragte Propst Claussen nach „belastbaren Zahlen“ und von Heyden sagte zu, daß diese noch nicht heute „im Werkstattbericht“ vorgelegt werden könnten, aber sie würden „in den nächsten vier Wochen“ veröffentlicht. Dies seien dann auch keine Modellrechnungen mehr.

 

Eine weitere Anfrage eines Pastors betraf die zu geringe Information bisher. Man sei zu schnell auf der „Handlungsebene“ aber die Gemeinden seien doch das Fundament der Kirche, diese müßten mitgenommen werden.

 

Ein weiterer Diskussionspunkt betraf die im kommenden Jahr zu wählende Leitende Bischofsperson in Nordelbien. Ob diese denn auch für die geplante Nordkirche dann zuständig sei, wurde gefragt. Hierauf sagte Dr. Bonde, daß man dieses Problem sehe und daß man gerade angefangen habe, sich über die Form der Beteiligung der beiden anderen Kirchen bei dieser Bischofswahl zu unterhalten.

 

Es folgten Gruppengespräche, wobei schnellstmögliche Information und Transparenz sowie eine angemessene Beteiligung gefordert wurde und eine Verschiebung der Entscheidung auf eine Februarsynode angeregt wurde. Durchgehend war zu hören, daß am geplanten Beginn der Nordkirche am 1.1.2012 festgehalten wurde.

 

Ein strittiger Bereich in den Verhandlungen und auch in einer Gruppe betraf das „Trennungsprinzip“ nach dem Mitglieder der Leitungsebene der Kirche nicht Synodale sein können, wie es in Nordelbien der Fall ist. In Mecklenburg und Pommern ist der Synodalpräses Mitglied der Synode sowie der Kirchenleitung und in Pommern auch Bischof und Konsistorialpräsident. Da sich diese Struktur auch auf die Kirchenkreise niederschlage, sei diese Frage hier von großer Bedeutung.

 

Am Ende der Veranstaltung berichteten zwei neutrale Beobachter über ihre Eindrücke. Es sei „höchste Eisenbahn“, daß eine solche Information stattgefunden habe. Die Opposition sei nicht grundsätzlicher Natur und es habe Menschen gegeben, die nach der Information ihre Meinung geändert hätten.

Motiv des Rufes zur Beteiligung sei es, mitzudenken und Mitgestaltung anzubieten und dadurch die Erfahrungen eigener Arbeitsbereiche einzubringen. Daher sei diese Veranstaltung auch ein Auftakt gewesen und als Zusammenfassung gab es einen ermutigenden Satz: „Die Menschen in der nordelbischen Kirche wollen nicht nur Produkte – seien sie auch noch so gut – sondern sie wollen mitdenken und mitarbeiten. Dadurch entsteht Identifikation.“ (9.5.2008)

 

Wortlaut und Texte von der Veranstaltung:

Einführung von Bärbel Wartenberg-Potter (95 KB)

Zum Fusionsvertrag (60 KB)

Grundentscheidungen zum Fusionsvertrag (75 KB)

Entwurf Präambel (70 KB)

Ordinationsvorhalt (90 KB)

Entwurf zum kirchlichen Amt (40 KB)

Finanzen (80 KB)

Leitungsstrukturen (90 KB)

Stellenpan im Verkündigungsdienst (75 KB)

Dienste und Werke (85 KB)

 

 

Die westlichste Kirchengemeinde in einer Nordkirche ist auf Helgoland die Gemeinde St. Nicolai. Die kleine Gemeinde mit 870 Gemeindegliedern liegt mitten in der Nordsee, auf Deutschlands einziger Hochseeinsel.

Schwerin

Schwerin, die Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns, ist auch Sitz des Oberkirchenrates und auch Sitz der Arbeitsstelle Nordkirche. Der Schweriner Dom ist die Predigtstätte des mecklenburgischen Landesbischofs.

Schleswig

In Schleswig hat Bischof Gerhard Ulrich, Vorsitzender der Kirchenleitung Nordelbiens, seinen Bischofssitz.

Friedrichsthal

Die Kirche von Friedrichsthal im Kirchenkreis Pasewalk ist die südöstlichste Gemeinde der drei Landeskirchen und liegt im Bundesland Brandenburg

List auf Sylt

Die Gemeinde List auf der Insel Sylt mit der St. Jürgen Kirche ist die nordwestlichste Gemeinde der drei Landeskirchen

Rendsburg

Die Landessynode der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche trifft sich zu ihren Synodaltagungen in Rendsburg im Christophorushaus.

Plau am See

Mitten im mecklenburgischen Feriengebiet liegt Plau am See. Hier kommt die mecklenburgische Landessynode zu ihren Tagungen zusammen.

Züssow

Das "Wichernhaus" in Züssow ist der traditionelle Ort der pommerschen Landessynode. Die Tagungsstätte Wichernhaus liegt auf dem Gebiet des Pommerschen Diakonievereins, der seinen Sitz in Züssow hat.

Hansestadt Rostock

Rostock ist die größte Stadt in Mecklenburg-Vorpommern und ist Sitz einer Superintendentur sowie der Evangelischen Akademie Mecklenburg-Vorpommern. Hier die Kirche St. Petri.

Kiel

Die schleswig-holsteinische Landesregierung hat ihren Sitz in der Landeshauptstadt Kiel. Dort befindet sich auch das Kirchenamt der Nordelbischen Kirche.

Lübeck

Lübeck, die"Mutter der Hanse".

Greifswald

Die Hansestadt Greifswald ist Sitz des pommerschen Konsistoriums. Der Dom St. Nikolai ist Predigtstätte des pommerschen Bischofs

Hamburg

Hamburg ist Sitz der Landesregierung (Senat) und wird nach der nordelbischen Reform zwei Kirchenkreise mit zusammen rund 750.000 Mitgliedern haben, davon hat allein Hamburg-Ost 500.000. Der Sprengel Hamburg wird von Bischöfin Maria Jepsen geleitet.

Vorgestellt: Nordelbisches Frauenwerk