Kontroverse Debatte über Nordkirche auf nordelbischer Synode
Rendsburg (epd). Die Synode der nordelbischen Kirche hat am Freitag (21.11.2008) auf ihrer Tagung in Rendsburg die Bildung einer gemeinsamen "Nordkirche" in den Ländern Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern erörtert. Dabei äußerte sich die Mehrheit der Redner zustimmend zum angestreben Kirchenzusammenschluss, andere reagierten auf die Pläne mit Kritik und Skepsis. Beklagt wurden unter anderem zusätzliche finanzielle Belastungen und Ablehnung an der Kirchenbasis.
Dagegen erklärte der Schleswiger Bischof Gerhard Ulrich, der Fusionsprozess biete die Chance für einen "gemeinsamen Neuaufbruch". "Wir werden uns gegenseitig bekräftigen und die Erfahrung machen, im Geist Jesu Christi zu einem neuen Miteinander zu finden", sagte er. Es gehe bei der "Nordkirche" nicht nur um Solidarität "von West nach Ost", so der Bischof in Anpielung auf die schlechte Finanzlage der mecklenburgischen und pommerschen Kirche. "Gemeinsam können wir die Herausforderungen, vor denen unsere drei Kirchen stehen, besser lösen als allein", sagte Ulrich, der auch Vorsitzender der nordelbischen Kirchenleitung ist.
Der Föhrer Inselpastor Holger Asmussen wies dagegen darauf hin, dass die Idee einer "Nordkirche" an der Kirchenbasis nicht angekommen sei. Die Skepsis überwiege. In den Kirchengemeinden gebe es nach harten Sparjahren keine Bereitschaft, erneut Opfer zu bringen. Hintergrund ist, dass die nordelbische Kirche nach bisherigen Berechnungen 4,7 Prozent ihrer Kirchensteuereinnahmen für die "Nordkirche" abgeben müsste. Der Kieler Synodale Klaus Kürzdörfer mahnte, die "Nordkirche" dürfe den Gemeinden nicht "übergestülpt" werden.
Andere Synodenmitglieder betonten, dass nach der Anfangseuphorie jetzt mit großer Sachlichkeit die "Nordkirche" vorbereitet werde. Annette Pawelitzki, die auch der Kirchenleitung angehört, bekräftigte auf Nachfrage, dass die nordelbische Kirche "selbstverständlich" zur Tarifbindung stehe. Derzeit werden in den beiden östlichen Landeskirchen die Gehälter und Arbeitsbedingungen von Kommissionen aus Kirchenleitung und Arbeitnehmervertreter festgelegt. In Nordelbien verhandeln dagegen Gewerkschaften und kirchlicher Arbeitgeberverband.
Nach Angaben von Bischof Ulrich sollen die 27 Kirchenkreise sowie die Dienste und Werke der Landeskirche bis 1. Dezember eine Stellungnahme zur "Nordkirche" abgeben. Der Kirchenkreis Flensburg hat sich bereits für die "Nordkirche" ausgesprochen. Dem bisherigen Fahrplan zufolge sollen die Synoden der drei Kirchen im März 2009 über den Fusionsvertrag abstimmen. Die "Nordkirche" könnte dann im Jahr 2012 starten. Sie hätte rund 2,4 Millionen Kirchenmitglieder. (22.11.2008)



