Residenzstadt für die Durchreise: Schwerin wird geistliches Zentrum der Nordkirche

Schwerin (epd). Dass Schwerin geistliches Zentrum der Nordkirche sein soll, gehörte zu den umstrittensten Entscheidungen der Nordkirche. Hier wird der künftige Landesbischof seinen Sitz haben. Schwerin war ein kirchenpolitischer Kompromiss, nachdem anfangs Lübeck das Zentrum der Nordkirche werden sollte.

Lange vor der Schwerin-Entscheidung hatte die Nordelbische Kirche eine eigene Strukturreform beschlossen. Gab es früher drei gleichberechtigte Bischöfe in Hamburg, Lübeck und Schleswig, entschied die Synode im Herbst 2007, dass es künftig einen ranghöheren Landesbischof in Kiel und zwei Sprengelbischöfe in Hamburg und Schleswig geben sollte. Lübeck ging - unter vehementem Protest - leer aus.

Der neue Kieler Landesbischof - oder die Landesbischöfin - sollte von der Arbeit in den Gemeinden im Bischofsbezirk entlastet werden, um sich auf Leitungsaufgaben konzentrieren zu können. Argumentiert wurde damals, dass Bischofskanzlei und Kirchenverwaltung an einem Ort eng verzahnt werden sollten. Doch bevor diese Beschlüsse greifen konnten, begann die Debatte zur Nordkirche. Darum wurde die Wahl des Kieler Landesbischofs erstmal auf Eis gelegt.

Im Zuge der neuen Fusions-Pläne wurde im April 2008 Lübeck als neuer Standort von Landesbischof und Kirchenamt für die gemeinsame Nordkirche verkündet. Hamburg, Greifswald und Schleswig sollen Sitz der drei Sprengelbischöfe werden. Nur wenige Wochen hielten die Verhandlungsführer den Protesten aus dem Kieler Kirchenamt und aus Mecklenburg stand, dann wurde die Entscheidung wieder kassiert: Als im Februar 2009 der Fusionsvertrag unterschrieben wurde, durfte das Kirchenamt in Kiel bleiben, und Schwerin wurde Sitz des Landesbischofs.

Schwerin präsentiert sich gerne als Bischofsstadt mit Tradition, die von Bischof Berno im Jahre 1162 begründet wurde. Doch endete diese Tradition bereits 1533 mit der Reformation. Ähnlich wie in Lübeck und Hamburg hatten die evangelischen Christen in Mecklenburg über Jahrhunderte hinweg keine Bischöfe. In Schwerin wurde das höchste geistliche Amt vom Landesherrn wahrgenommen. Erstmals 1921 zog mit Heinrich Behm ein evangelischer Bischof in den Schweriner Dom.

Wer dort 2013 zum Landesbischof gewählt wird, ist derzeit noch völlig offen. Nordelbiens Bischof Gerhard Ulrich, Vorsitzender der Kirchenleitung des Nordkirchenverbandes, gilt manchen zwar als Favorit. Doch ob er für die Wahl überhaupt antritt, ist noch offen. Gesucht wird eine Persönlichkeit mit Erfahrungen in Ost und West, die den Zusammenhalt der neuen Kirche fördert. Die Kandidatur einer Frau würde sicherlich Beifall finden.

Schwerin ist die bundesweit kleinste Landeshauptstadt. Innerhalb der neuen Nordkirche ist sie nach Hamburg, Kiel, Lübeck und Rostock die fünftkleinste Stadt. Der Stab des neuen Landesbischofs wird nur wenige Mitarbeiter umfassen. Sicher ist derzeit nicht einmal, ob auch die kirchliche Pressestelle mit nach Schwerin ziehen soll.

So wird der künftige Landesbischof vermutlich viel reisen. Rund 600 Kilometer trennen die nördlichste Gemeinde im südlichen Dänemark von der südöstlichsten in Brandenburg. Schon für den Landesbischof in Nordelbien hatte der kirchliche Stellenplan zwei Fahrer ausgewiesen. "Hauptsitz" des Landesbischofs der Nordkirche wird daher in erster Linie sein Dienstwagen sein. (27.10.2010)
Von Thomas Morell
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