Typisch nordelbisch
Fusionspartner sucht immer noch die eigene Identität
Das Jahr 2009, das der Verband der Kirchen in Norddeutschland zum Jahr der gegenseitigen Besuche und des Kennenlernens ausgerufen hatte, neigt sich dem Ende zu. Die mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung hat den Kollegen Carsten Splitt von der „Nordelbischen“ gebeten, für Mecklenburg-Vorpommern näher zu erklären, was typisch nordelbisch ist.
In den kommenden drei Jahren wird das 1977 gegründete Nordelbien samt seiner Vorzüge und Webfehler nach und nach von der kirchlichen Landkarte verschwinden und in der Nordkirche aufgehen. Doch was hat die nördlichste evangelische Landeskirche in ihrer nunmehr 32-jährigen Existenz eigentlich ausgemacht? Fragen Sie mal unter nordelbischen Pastorinnen und Pastoren, was das eigentlich ist: typisch nordelbisch. Wir haben es getan.
Und waren überrascht: In der Pastorenschaft gelten Streitkultur, Vielfalt und Mehrstimmigkeit als das einende Merkmal der Nordelbischen Kirche. Paradox genug. Aber ist unsere Kirche wirklich noch das sympathisch chaotische Völkchen, als das es in der Evangelischen Kirche Deutschlands lange Zeit verschrien war? Oder hat sich die nördlichste Landeskirche längst klammheimlich zum Musterschüler der EKD gemausert?
„Ein bunter Strauß von Profilen hat sich unter dem nordelbischen Schirm entwickelt. Das macht den Charakter und auch den Charme unserer Kirche aus“, resümierte Bischof Ulrich auf der jüngsten Synodentagung. „Die Kehrseite ist eine ausgeprägte Bereitschaft, sich schnell einmal abzugrenzen oder gar zu distanzieren.“ Begegnungen wie der gemeinsame Synodentag in Lübeck und der Kanzeltausch am 8. November in Nordelbien und den Landeskirchen Mecklenburgs und Vorpommerns sollten diese Distanz ein weiteres Mal verringern. In der Begegnung mit den Mecklenburgern und Pommern sei immer wieder zu merken, dass das „Wir“ dort eine viel stärkere Betonung und Bedeutung im Sinne von Einheit und Gemeinschaft habe als in Nordelbien, beobachtet Ulrich. Er erhoffe sich von dem Prozess des Zusammenwachsens, „dass etwas von diesem ‘Wir’ der Partner auf unser hiesiges kirchliches Bewusstsein abfärbt“.
32 Jahre nach ihrer Gründung und drei Jahre vor ihrem eingeläuteten Ende ist die Landeskirche „Nordelbien“ weiterhin auf der Suche nach der eigenen Identität.
Carsten splitt
Der Autor ist Chefredakteur der „Nordelbischen“
Nordelbien - Land nördlich der Elbe
Der Begriff „Nordelbien“ bezeichnet das Gebiet zwischen Elbe im Süden und deutsch-dänischer Grenze im Norden und umfaßt die Länder Schleswig-Holstein und Hamburg.
Neben Hamburg und Schleswig-Holstein gehört auch die deutschsprachige Minderheiten-Kirchengemeinde der Nordschleswiger in Dänemark sowie die Erlösergemeinde Vahrendorf in Niedersachsen dazu.
Von den etwa viereinhalb Millionen Menschen in Nordelbien sind etwa zwei Millionen evangelische Kirchenmitglieder.
„Nordelbien“ ist 1977 aus vier Landeskirchen und einem Kirchenkreis entstanden.
Die Nordelbische Kirche hatte ursprünglich drei Bischofssitze. Seit September 2008 sind es zwei: Für den Sprengel Hamburg-Lübeck hat ihn Bischöfin Maria Jepsen inne, für den Sprengel Schleswig und Holstein Bischof Gerhard Ulrich.
Zu Nordelbien gehören in 11 Kirchenkreisen organisiert 597 Kirchengemeinden, sowie die nordelbischen Dienste und Werke und die Diakonie. Über 55 000 Ehrenamtliche sind in den Kirchengemeinden aktiv.
Die zahlenmäßig kleinste Kirchengemeinde in Nordelbien befindet sich auf Hallig Hooge, die größte mit fast 17 000 Mitgliedern ist die Kirchengemeinde Oldesloe.



