Lübeck soll Sitz der "Nordkirche" werden - Votum für einen symbolischen Neuanfang

 

Lübeck/Greifswald (epd). Die Hansestadt Lübeck soll Zentrum der geplanten "Nordkirche" werden. Nach einem Beschluss der drei evangelischen Kirchenleitungen Nordelbien, Mecklenburg und Pommern sollen Kirchenamt, Leitender Bischof und Kirchenleitung künftig ihren Sitz in Lübeck haben, teilten die kirchlichen Pressestellen am Montag in Kiel und Greifswald mit. Die endgültige Entscheidung darüber müssen die drei Synoden treffen, was nach bisheriger Planung im Herbst geschehen soll.

 

Lübeck stehe als "symbolisches Zeichen" für die Bildung einer neuen Kirche, heißt es in der Erklärung der drei Kirchenleitungen. Die wichtige Vorentscheidung war unter Moderation des bayerischen Bischofs Johannes Friedrich am Sonnabend in Ratzeburg gefallen. Als weitere Standorte waren Kiel, Hamburg und Schwerin geprüft worden. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) sieht im Standort Lübeck einen "Neuanfang für alle Seiten". Die Entscheidung sei eine Herausforderung und Chance zugleich.

 

Lübeck ist bislang Sitz von Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter. Er sollte aber im Zuge der nordelbischen Bischofsreform aufgegeben werden, wenn die Theologin Ende September in den Ruhestand tritt. Lübeck ist nach den Worten von Wartenberg-Potter die geografische Mitte der drei Landeskirchen, eine Mittlerin zwischen ländlichen und städtischen Regionen und stehe für die Verbindung mit dem Ostseeraum.

 

Für Mecklenburgs Bischof Andreas von Maltzahn kommt Nordelbien mit dieser Entscheidung den östlichen Kirchen entgegen. Lübeck habe als ehemalige Stadt an der innerdeutschen Grenze Erfahrungen mit dem Zusammenwachsen von Ost und West. Der pommersche Bischof Hans-Jürgen Abromeit betonte die geistliche Bedeutung Lübecks. Ähnlich wie in der Reformationszeit könne von hier ein spiritueller Impuls für Norddeutschland ausgehen.

 

Mit Kritik und Unverständnis reagierte dagegen Kiels Oberbürgermeisterin Angelika Volquartz (CDU). In Zeiten moderner Kommunikation dürften 70 Straßenkilometer nicht den Ausschlag für eine Entscheidung geben, die bewährte Strukturen zerstört. Lübecks Oberbürgermeister Bernd Saxe (SPD) betonte hingegen, mit ihrer Kultur und ihrem geistlichen Leben werde die Hansestadt der neuen Nordkirche eine "gute Heimat" sein.

 

Harsche Kritik kam dagegen von den 150 Mitarbeitern des nordelbischen Kirchenamtes in Kiel. Die Entscheidung habe Trauer, Wut und Verzweiflung ausgelöst, sagte Mitarbeitervertreterin Elisabeth Most-Werbeck. "Es hat am Montagmorgen einen richtigen Schock gegeben." Die Mitarbeiter hatten seit Monaten für den Sitz in Kiel gekämpft. In ihrer Erklärung betonen die drei Kirchenleitungen, dass die Belastungen der Mitarbeiter durch Übergangsregelungen abgemildert werden sollen.

 

Inwieweit der bisherige Zeitplan für die Fusion aufrechterhalten wird, wollen die drei Kirchenleitungen Ende Juni entscheiden. In den vergangenen Wochen war insbesondere in nordelbischen Kirchenkreisen eine Verschiebung der Entscheidung über den Fusionsvertrag auf 2009 gefordert worden.

Copyright - epd(28.04.2008)