Von der Verfassunggebenden Synode für die Nordkirche in Travemünde

Schwerin (kiz). Die Entscheidung der mecklenburgischen, pommerschen und nordelbischen Synodalen während der Verfassunggebenden Synode für eine Nordkirche am vergangenen Sonntag gegen 12 Uhr in Travemünde war eindeutig und von großer Klarheit: Von den 231 in geheimer Wahl abgegebenen Stimmen waren 185 - und zwar 41(von 48)  Mecklenburger, 51 (von 59) Pommern und 93 (von 124) Nordelbier - für den vorgelegten Verfassungsentwurf. Brausender Beifall zog sich nach der Bekanntgabe des Ergebnisses durch den großen Saal - hart hatten die Synodalen von Freitagnachmittag an gearbeitet, gestritten. Mit diesem klaren Votum nun kann der Verfassungstext in die Kirchgemeinden, Gruppen, Dienste und Werke gehen, um dort breit diskutiert zu werden, bevor dann die Änderungen von der Gemeinsamen Kirchenleitung in den Verfassungsentwurf eingearbeitet und für eine zweite Lesung im Oktober 2011 in Heringsdorf vorgelegt werden können.
Die Synode hatte neben der Beratung des Verfassungsentwurfs und des Einführungsgesetzes, das den Übergang der einzelnen Kirchen in eine gemeinsame regelt, auch ein Präsidium und Ausschüsse (Rechts-, Dienstrecht-, Finanz- und Theologischen Ausschuss, jeweils paritätisch besetzt) zu wählen. Präses der gemeinsamen Synode wurde Heiner Möhring (69), langjähriger mecklenburgischer Synodenpräses. Er setzte sich im 2. Wahlgang gegen den nordelbischen Präsidenten Hans-Peter Strenge durch, nachdem der pommersche Präses  Dr. Rainer Dally im ersten Wahlgang ausgeschieden war. Vizepräses wurden die pommersche Vizepräses Elke König aus Greifswald und der nordelbische Vizepräsident Thomas Braun aus Meldorf, beide 54.

Antragsflut
Bearbeitet werden müssen von der Gemeinsamen Kirchenleitung auch die 121 Anträge der Synodalen zur Verfassung und 20 Anträge zu Änderungen des Einführungsgesetzes. Eine Flut, die während der - für das Arbeitspensum viel zu kurzen -Tagung in Travemünde nicht zu bewältigen war. Die Synode beschloss, sich zusätzlich zu den bisher vorgesehenen Tagungen zur zweiten Lesung in Heringsdorf im Herbst 2011 und dritten Lesung im Januar 2012 in Linstow noch einmal im Januar 2011 zu treffen, um auch eigene Akzente im allgemeinen Beratungsprozess fortzusetzen. Lediglich der ursprünglich von der Gemeinsamen Kirchenleitung vorgeschlagene Name der neuen Kirche konnte vom Präsidium zur Diskussion und Abstimmung  gestellt werden wie auch einige sogenannte "systemverändernde" Anträge, wie der des pommerschen Synodalen Wolfhard Molkentin (siehe unten).

Lutherisch in Norddeutschland
Nach hoch emotional geführter Diskussion beschloss die Synode mit 132 Ja- und 87 Nein-Stimmen, den Namen, der bisher "Evangelische Kirche im Norden" lautete,  in "Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland" zu ändern. Die mitteldeutsche Kirche nenne sich ja auch nicht Kirche in der Mitte sondern Kirche in Mitteldeutschland, sagte der Rostocker Theologieprofessor Hermann Michael Niemann, und: Norden sei eine Himmelsrichtung und keine Ortsbezeichnung. Mit dem ursprünglich vorgeschlagenen Namen würden andere evangelische Kirchen wie die Reformierte Kirche, die Methodistische oder andere Freikirchen ungefragt vereinnahmt, war kritisiert worden. Dies sei besonders im Ausland von Bedeutung - evangelisch werde dort häufig mit evangelikal gleichgesetzt.
Der jetzt gefundene Name sei aus seiner Sicht der überzeugendere, sagte der mecklenburgische Landesbischof Dr. Andreas von Maltzahn. Wir seien alle drei lutherische Kirchen und das sollten wir auch mit dem Namen zeigen. Dem stimmte der Schlewiger Bischof Gerhard Ulrich zu. Die schlechtere Variante nannte der pommersche Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit die Entscheidung. Aber: "Damit können wir leben, damit bricht die Welt nicht zusammen." Allgemeine Zustimmung fand die nun offiziell in den Namen aufgenommene Kurzbezeichnung "Nordkirche".

Schwerin bleibt Bischofssitz
Kurze aber heftige Ablehnung fand die Forderung des nordelbischen Kirchenleitungsmitglieds Bernhard Schick, den Sitz des künftigen Nordkirchen-Landesbischofs von - wie in der Verfassung festgeschrieben - Schwerin nach Hamburg zu verlegen. Schwerin als Sitz sei eindeutiger Bestandteil des Fusionsvertrages, hieß es.
Für breite Diskussion sorgte auch der Antrag des pommerschen Synodalen Wolfhard Molkentin, der sich für ein Veto-Recht für alle Kirchenkreise gegen existenzielle Entscheidungen der Landessynode stark machte aus Sorge, dass nach der im Einführungsgesetz festgeschriebenen Schutzfrist für den Bestand der zukünftigen Kirchenkreise Mecklenburg und Pommern von nur 15 Jahren ein kleiner Kirchenkreis einfach von der Landesynode der Nordkirche aufgelöst werden könnte. Dagegen gesetzt wurde "Vertrauen zeigen" - eines der am häufigsten gehörten Worte in Travemünde.

Gottesdienst im Lübecker Dom

"Vertraut den neuen Wegen" - kraftvoll sang es die Synode im Abschlussgottesdienst im Lübecker Dom. Gerade die dritte Strophe, die Bischof Gerhard Ulrich in seiner Predigt noch einmal zitierte: "...Die Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit." spreche von einer offenen Tür und "in der Tat, die Tür ist offen", so Ulrich, auch wenn sie ein "bisschen gequietscht" habe, "als wir sie öffneten". Aber das neue, helle Land sei "nicht die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland, sonder das Land Gottes". Die neue Kirche möge eine Kirche sein, "die nicht vergisst, dass in ihr alle Menschen Schwestern und Brüder seien", so Ulrichs und wohl aller Synodaler Wunsch.


Marion Wulf-Nixdorf
Aus: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung, Ausgabe vom 7.11.2010