Die Basis murrt gegen die Kirchenfusion

 

Kiel (epd). In den nordelbischen Kirchenkreisen regt sich Widerstand gegen eine

schnelle Fusion zur "Nordkirche". Vor Abschluss des Vertrages mit Mecklenburg

und Pommern müsse es genauere Zahlen über die Kosten geben, heißt es in einer

einstimmig verabschiedeten Erklärung der 27 Kirchenkreise in Schleswig-Holstein

und Hamburg. Die Verwaltungsleiter fordern, den Fusionsvertrag auf 2009 zu

verschieben. Das Bischofskollegium wirbt dagegen für einen zügigen

Zusammenschluss.

 

Auf rund fünf Prozent ihrer Einnahmen sollen Nordelbiens Kirchenkreise verzichten,

wenn die "Nordkirche" kommt. Nach immer neuen Sparrunden hätten die

Gemeinden viel Personal abgebaut und jetzt auf finanzielle Entspannung gehofft,

sagt Flensburgs Synodenvorsitzender Rainer Hanf. Fünf Prozent, stöhnt

Rendsburgs Verwaltungsleiter Herwig Schröder, seien in seinem Kirchenkreis die

Einnahmen von sechs Gemeinden.

 

Vor allem haben die Verwaltungsleiter erhebliche Zweifel, ob fünf Prozent

ausreichen. Weder Pastorenbesoldung noch Mitarbeiter-Vergütung seien derzeit

geklärt, so Jochen Wenck (Itzehoe), Sprecher der Verwaltungsleiter. Unsicher seien

auch die Höhe der staatlichen Zuschüsse und der Finanzausgleich unter den EKD-

Landeskirchen. Jede kleine Baumaßnahme benötige einen Finanzierungsplan, so

Wenck, doch für die Nordkirche gebe es keine "belastbaren Zahlen". Der

Kirchenkreis Flensburg hat eine feste Obergrenze von fünf Prozent gefordert.

 

Verärgert sind die Kirchenkreise vor allem, weil sie zahlen sollen, aber dazu gar

nicht gefragt wurden. Es habe bislang ein gutes Miteinander von Landeskirche und

Kirchenkreisen gegeben, sagt Oldenburgs Propst Otto-Uwe Kramer, Vorsitzender

des Finanzbeirates, der die Interessen der 27 Kirchenkreise vertritt. Dies sollte nicht

aufs Spiel gesetzt werden.

 

Doch eine Beteiligung der Kirchenkreise ist im Zeitplan nicht vorgesehen. Schon

die nächste nordelbische Synode im September soll über den Fusionsvertrag

entscheiden. Zwei Wochen vorher stimmt das Pommersche Kirchenparlament ab.

Die Vorstände der Kirchenkreise in Elmshorn und Itzehoe fordern deshalb eine

Verschiebung der Abstimmung um ein halbes Jahr.

 

Den Zeitplan habe die nordelbische Synode beschlossen, halten die drei Bischöfe

entgegen. In ihr sind auch die Kirchenkreise vertreten. Von einem Sparbeitrag von

fünf Prozent sei auch nach Beratungen der Expertengruppen auszugehen, heißt es

in einem Brief von Bärbel Wartenberg-Potter (Lübeck), Maria Jepsen (Hamburg)

und Hans Christian Knuth (Schleswig) an alle Gemeinden und Kirchenkreise.

"Fehlerhafte Zahlen" hätten zu "unnötigen Beunruhigungen" geführt. Gelegenheit zur

Debatte bietet eine Info-Veranstaltung am 8. Mai in Rendsburg.

 

Unterstützung kommt vom Lübecker Propst Ralf Meister, der im Mai als

Generalsuperintendent nach Berlin wechselt. Je länger eine Reform dauere, desto

mehr werde sie verwässert.

 

Die "Nordkirche" selbst ist dagegen unstrittig. Weder die Kirchenkreise noch die

Verwaltungsleiter wenden sich gegen die Fusion. Kritisiert wird nur die "kurze

Verlobung". Eine allzu lange Verlobungszeit, hatte Bischof Knuth im Februar vor

der Synode gesagt, sei weder im Leben noch bei der Nordkirche gut. Doch das will

Verwaltungsleiter Schröder nicht gelten lassen. "Man heiratet nicht jemanden, den

man gar nicht kennt."

 

Von Thomas Morell (epd)

 

(17.4.2008)

Copyright - epd