Bischof Huber: Fusion zur Nordkirche ist ein weitsichtiger Schritt
Stralsund (dpa/mv). Der EKD-Ratsvorsitzende, der Berliner Bischof Wolfgang Huber, hat den Fusionsprozess der nordelbischen, mecklenburgischen und pommerschen Kirche begrüßt. «Diese Fusion ist ein weitsichtiger Schritt, von dem ich mir wünsche, dass er gelingt», sagte Huber am 5. März in einem Gespräch mit der Deutschen Presse- Agentur dpa in Stralsund. Die Kirchen im Norden hätten erkannt, daß sie zu größeren regionalen Einheiten gelangen müssen. Die Fusion zwischen einer West- und zwei Ostkirchen bezeichnete er als «einen interessanten und spannenden» Weg, den Berlin und Brandenburg bereits vor 15 Jahren gegangen seien.
Den im Vergleich zu Nordelbien deutlich kleineren Kirchen Mecklenburgs und Pommerns empfahl der EKD-Ratsvorsitzende, ihre Interessen und Wünsche deutlich zu artikulieren. «Je selbstbewußter sich die beiden Kirchen jetzt in den Fusionsprozess einbringen, desto deutlicher werden sie sich später wiederfinden und ihre Prägungen zur Geltung bringen können», sagte Huber.
Kritischen Stimmen, die eine Dominanz der 2,1 Millionen Mitglieder zählenden Nordelbischen Kirche in dem neuen Kirchenverbund befürchten, entgegnete er: «Es ist eine falsche Vorstellung, die Nordelbische Kirche sei ein monolithischer Block.» Die Kirche Nordelbiens sei aus fünf Gliedkirchen unterschiedlicher Prägung gewachsen. «Sie ist ein lebendiger Organismus.» Er sei deshalb überzeugt, dass die neuen Regionen ihre eigene Geschichte und Identität einbringen könnten. «Eine Erweiterung ist keineswegs eine Gefährdung von Identität, sondern eine Bereicherung.» Zugleich mahnte der EKD-Ratsvorsitzende aber, die innere Regionalstruktur einer fusionierten Kirche genau zu bedenken.
Auf die gescheiterten Fusionsbemühungen zwischen der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) und der Pommerschen Evangelischen Kirche schaue er als Bischof der EKBO «ohne Groll und Bitterkeit». «Wir hätten aufgrund der nahen Verfassungsstrukturen einen Vereinigungsprozess schnell realisieren können», sagte Huber. Schwerwiegende Argumente hätten jedoch für den anderen Weg der Pommern in eine Nordkirche gesprochen. So gebe es auch künftig eine gemeinsame Kirche in dem Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Auch die norddeutsche Zusammengehörigkeit sei ein wesentliches Argument für diesen Weg. «Die Pommern hatten die Möglichkeit, sich zu entscheiden und sie haben den Weg beschritten, der der weiterreichende ist.»
Gespräch: Martina Rathke, dpa
(5.3.2008)




